Potenzial für die maritime Wirtschaft

IRISL-Zentrale in Teheran. Die Reederei setzt bei ihrer Flotten-Modernisierung auf deutsche Hilfe. Die deutsche Delegation vor dem Eingang, Fotos: VDMA

Nach dem Besuch einer deutschen Delegation in Teheran wird konkretes Potenzial für die maritime Wirtschaft gesehen.
„Wir haben großes Interesse an einer Wiederbelebung der Geschäfte auf beiden Seiten, sowohl in der Schiffstechnik als auch in der Hafenwirtschaft“, sagte Hauke Schlegel, Geschäftsführer VDMA Marine Equipment and Systems, dem THB.
Die von dem Branchenverband begleitete maritime Delegation führte 14 deutsche Unternehmensvertreter zu den entscheidenden Adressen der iranischen Schifffahrt: Neben Gesprächen mit den führenden Staatsreedereien IRISL und NITC sowie der Port and Maritime Organisation (PMO) gab es auch Treffen mit privaten Firmen und Experten in Teheran, unter anderem dem Offshore-Unternehmen DanaEnergy. Die Reise wurde vom BIU (Bund iranischer Unternehmer) organisiert und von der iranischen Botschaft unterstützt. Auf deutscher Seite waren bei dieser Fact-Finding-Reise neben dem VDMA bereits einige Firmen der Schiffbau- und Zulieferindustrie sowie der Schifffahrt und Hafenwirtschaft dabei: Unter anderem waren hochrangige Repräsentanten von DNV GL, MWB, Noske-Kaeser, R&M, HPC, HPA und BLG unter den Teilnehmern. Die Gespräche zeigten auf, wie die Iraner in der Schifffahrt durch die Sanktionen beeinträchtigt wurden und nun schnellstmöglich wieder technologisch Anschluss finden wollen. Dabei sehen sie die Deutschen als wichtigste Geschäftspartner.
Etliche der besuchten Entscheidungsträger in Teheran werden zum Gegenbesuch auf der kommenden Schiffbaumesse SMM im September in Hamburg erwartet. Schlegel erklärte weiter: „Wir waren tief beeindruckt von der großen Offenheit unserer iranischen Gesprächspartner, gerade auch in den Staatsunternehmen, und rechnen mit einem schnellen Anstieg der bilateralen Geschäfte, sobald die Rahmenbedingungen – vor allem die Exportkontrolle und Bankensituation – dies erlauben.“ Besonders interessant seien die Aussagen zu der erwarteten „realen“ Entwicklung der vielfach publizierten und gleichzeitig im Ausland hinterfragten Großprojekte, sowohl in der Schiff-Neubauplanung als auch beim Ausbau der Hafeninfrastruktur, gewesen. Ein großer Dank gelte dem Hamburger Unternehmer Ali Eghbal vom BIU, der mit hohem persönlichem Engagement die Delegationsreise unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen zu einem vollen Erfolg für alle Teilnehmer gemacht hat. Der VDMA plant in Teheran noch in diesem Jahr eine B2B-Veranstaltung für eine größere Zahl maritimer Zulieferfirmen – „denn der Bedarf und das konkrete Interesse an deutschen Technologien und Serviceleistungen ist überwältigend“, so Schlegel.
Der VDMA baut derzeit ein eigenes Verbindungsbüro in Teheran auf. Zudem wird der Iran auf der kommenden Schiffbaumesse SMM 2016 in Hamburg erstmals mit einem eigenen Nationenstand vertreten sein. Bereits in den nächsten Tagen wird in Hamburg erstmals seit Juli 2010 wieder ein Schiff der Staatsreederei Islamic Republic of Iran Shipping Lines (IRISL) erwartet (THB 18. Februar 2016). Es handelt sich dabei um die 2003 bei der damaligen Aker MTW Werft in Wismar gebaute „Azargoun“ (2478 TEU). FBi
