Raten im Containerverkehr unter Druck
Infolge der Quarantänemaßnahmen im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 und der allgemein gebremsten wirtschaftlichen Aktivität in China sind die Frachtraten im Containerverkehr stärker unter Druck geraten.
Der Shanghai Index SCFI für die 13 wichtigsten Export routen ex Shanghai brach am Freitag um mehr als 7 Prozent auf 850 US-Dollar (USD) pro TEU ein. Besonders starke Preisrückgänge wurden auf den Relationen Shanghai/Nordeuropa (minus 12,3 Prozent) und Shanghai/Mittelmeerraum (minus 12,6 Prozent) verzeichnet. Die Index-Raten liegen hier nach der Talfahrt der vergangenen Wochen nun bei 850 USD/TEU (Nordeuropa) und bei 1031 USD/TEU (Mittelmeer).
Der World Container Index (WCI) der Beratungsfirma Drewry gab um 4 Prozent auf 1673 USD/FEU nach. Die Experten schätzten den Ratenverfall im westgehenden Verkehr ex China nach Europa nicht ganz so dramatisch wie im SCFI ein. Für die Relation Shanghai/Rotterdam gab die WCI-Rate um 5 Prozent auf 2033 USD/FEU nach, für die Relation Shanghai/Genua um 8 Prozent auf 2487 USD/FEU.
Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Container-Spotraten laut SCFI aktuell noch rund 7 Prozent höher. Das ist für die Carrier aber nur ein geringer Trost, da ihre Kosten zwischenzeitlich viel stärker angestiegen sind – vor allem aufgrund der erhöhten Treibstoffpreise infolge der neuen IMO-Bestimmungen zum Schwefelgehalt sowie der kräftig gestiegenen Charterraten für große Schiffe.
Hinzu kommen nun erhöhte operative Aufwendungen für die Umleitung von Schiffen und Ladung angesichts der logistischen Engpässe in den chinesischen Häfen, wo sich wegen der Einschränkungen im Hinterlandverkehr ein massiver Rückstau an Containern gebildet hat. Der japanische Carrier Ocean Network Express warnte seine Kunden vergangene Woche, dass sie sich an den ungeplanten Kosten beteiligen müssten. Für Kühlcontainer, die seit dem 15. Februar in Shanghai und Tianjin anlanden, wurde eine „Congestion-Surcharge“ von 1000 USD pro Container angesetzt.
Unterdessen warnte der US-Einzelhandelsverband National Retail Federation (NRF), dass die US-Containerimporte wegen des Coronavirus im ersten Quartal heftiger als in den Vorjahren zurückgehen dürften. Für Januar, Februar und März prognostiziert der Verband Volumeneinbußen gegenüber dem Vorjahr von 3,8 Prozent, 12,9 Prozent und 9,5 Prozent. Der Branchendienst Alphaliner rechnet mit Ladungsausfällen von mehr als 6 Millionen TEU in Chinas Häfen im ersten Quartal (thb.info 6. Februar 2020).
Abfahrtstreichungen der Linienreedereien nach dem chinesischen Neujahrsfest haben unterdessen zu einem deutlichen Anstieg der Aufliegertonnage in der Containerschifffahrt geführt. Der Anteil der inaktiven Schiffskapazitäten an der Gesamtflotte wuchs seit Ende Januar von 5,4 Prozent auf 6,2 Prozent (insgesamt 1,44 Millionen TEU) an – darunter auch immer mehr Charterschiffe, die an ihre Eigner zurückgeliefert werden.
Laut Alphaliner stieg die Zahl der kurzfristig verfügbaren Schiffe am Chartermarkt binnen vier Wochen um über 20 auf rund 110. Da die Tonnage-Nachfrage gleichzeitig nachgelassen hat, stehen die Charterraten verstärkt unter Druck. Der New ConTex des Verbands Hamburger und Bremer Schiffsmakler fiel auf Monatssicht um 3 Prozent auf 415 Punkte. mph/ol/bek
