Reederei Ceona ist zahlungsunfähig

Die Folgen des aktuell weltweit niedrigen Öl- und Gaspreises machen auch nicht vor den Schiffseignern von Offshore-Spezialschiffen halt. Investitionen in neue Anlagen werden von den Ölkonzernen momentan zurückgehalten. Durch diesen Preiseinbruch mussten nun auch Unternehmungen der britischen Ceona-Gruppe Insolvenz anmelden und befinden sich in der Zwangsverwaltung nach britischem Recht.

Aktuell werden alle Aktivitäten über mehrere Insolvenz verwalter abgewickelt. Als erste direkte Auswirkung dieser Insolvenz wurden bereits mehr als 100 Mitarbeiter in den Büros in Aberdeen, Houston und Hammersmith (UK) entlassen. 18 Ceona-Mitarbeiter verbleiben derzeit beim Unternehmen, um den Verwalter bei seinen administrativen Aufgaben zu unterstützen. Dazu gehört auch der geplante Verkauf von Vermögenswerten. So wird auch die erst im Herbst 2014 von der Bremerhavener Lloyd Werft abgelieferte „Ceona Amazon“, ein 200 Meter langes Pipeline-Verlegeschiff, veräußert. Nach der Ablieferung im November 2014 erfolgte bei dem niederländischen Unternehmen Huisman Equipment B.V. in Rotterdam die technische Ausrüstung des Schiffs. Dazu gehörten die Installation eines 76 Meter hohen und 570 Tonnen schweren Verlegeturms und zwei jeweils 400 Tonnen tragende Schwerlastkrane.

Seit diesem Frühjahr liegt die „Ceona Amazon“ wieder in Bremerhaven, da bei der Lloyd Werft die noch fehlende 70 Meter lange Schweißstraße installiert werden sollte. Diese Anlage wurde bereits vom Schiffbauer vorgefertigt und sollte bis zum Spätsommer auf dem seinerzeit rund 300 Millionen Euro teuren Spezialschiff installiert werden.

Wie Rüdiger Pallentin, Vorstand der Lloyd Werft, auf THB-Anfrage mitteilte, hat die Insolvenz von Ceona aber keinen wirtschaftlichen Einfluss auf den Bremerhavener Betrieb, der den gesamten Baupreis für das Schiff erhalten hat. Er geht davon aus, dass bei einem Verkauf des Schiffes der neue Eigner die Schweißstraße mit übernehmen wird. Pallentin selbst liegen keine Informationen über mögliche Interessenten der „Ceona Amazon“ vor. Derzeit kann das Schiff noch am aktuellen Liegeplatz im Kaiserhafen 3 weiter liegen, so Pallentin, da der Arbeitsbetrieb auf der Werft dort nicht gestört wird.

Die „Ceona Amazon“ ist für die Verlegung von flexiblen Schlauch- und starren Rohrleitungen sowie anderen Versorgungsleitungen für die Öl- und Gasindustrie konzipiert worden. Dafür verfügt das Schiff unter anderem über umfangreiche Unterdeck-Lagerkapazitäten für verschiedene Rohrsysteme mit einem Gesamtgewicht von bis zu 8500 Tonnen. Eine Decksfläche von 4600 Quadratmetern für weitere Rohr- und Rollenlagerung macht das Schiff unabhängig von kostenintensiven Logistikstandorten. Die beiden 400-Tonnen-Schwerlastkrane sowie ein 30-Tonnen Knickarm-Kran – allesamt mit Seegangskompensation – ermöglichen den Einsatz bei Schwergutarbeiten, sei es einzeln oder im Tandemhub, darunter die Installation großer Unterwasseranlagen in Wassertiefen von bis zu 3000 Metern. An Bord können zudem zwei Tauchroboter (Remote Operating Vehicles) mitgeführt werden, die ebenfalls für Arbeiten in Wassertiefen von bis zu 3000 Metern geeignet sind.

Das bislang in London beheimatete und erst 2012 gegründete Offshore-Spezialunternehmen Ceona, dessen Mehrheits-eigentümer Goldman Sachs Capital Partner ist, hat sich auf das gesamte Spektrum zum Bau von Offshore Anlagen spezialisiert. Das Unternehmen setzt bislang fünf Offshore-Spezialschiffe ein, darunter auch die beiden 2008 auf der Lloyd Werft ursprünglich für Harren & Partner erbauten „Blue Gigant“ und „Giant II“.

In Folge der Zahlungsunfähigkeit von Ceona haben inzwischen Kunden langfristige Charterverträge von einzelnen Schiffen schon vorzeitig gekündigt, so auch von CG Rieber Shipping, die eine Fünf-Jahres-Charter der „Polar Onyx“ von Ceona, die für Petrobas in brasilianischen Gewässern eingesetzt wurde, nun gekündigt haben. CE/ger/fab

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