Shortsea-Markt in der Brexit-Starre
In der europäischen Küstenschifffahrt ist die für Februar erhoffte Wende am Frachtenmarkt ausgeblieben.
Stattdessen nimmt der Druck auf die Raten weiter zu. Der European Short Sea Index des Branchendienstes BMTI fiel vergangene Woche um 4 Prozent auf 20,03 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr liegt er fast 20 Prozent niedriger. Der in Istanbul erscheinende Istfix, der ebenfalls das Ratenniveau auf Shortsea-Routen in Europa, dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer abbildet, sackte zu Beginn dieser Woche auf 555 Punkte ab und ist damit fast auf den Tiefstand von vergangenem Sommer zurückgefallen.
Schiffsmaklern zufolge belasten die gebremste Konjunktur und die Unsicherheit über den bevorstehenden Brexit den Markt. Am Spotmarkt für Küstenmotorschiffe herrsche allenfalls sporadische Aktivität, wobei die Verfügbarkeit an Schiffsraum das Ladungsangebot in allen Regionen deutlich übersteige, resümiert der britische Makler HC Shipping & Chartering. Zur Halbzeit des ersten Quartals bleibe die Entwicklung „enttäuschend“ unter den Erwartungen. Auf dem derzeitigen Ratenniveau könnten die Reeder im Spotgeschäft kaum Geld verdienen, stellt BMTI fest. Selbst bei relativ langen Transporten, etwa von der Westküste Großbritanniens nach Italien, bleibe bei Frachten von 40 Euro pro Tonne für Partien von 3000 Tonnen Stückgut nach Abzug von Schiffsbetriebskosten bestenfalls ein hauchdünner Überschuss übrig.
In der Brexit-Debatte hatte sich die britische Labour-Partei zu Beginn dieser Woche hinter die Forderung nach einem zweiten Referendum gestellt. Zuvor will die Labour-Partei jedoch versuchen, die Regierung von ihren eigenen Brexit-Plänen zu überzeugen. Außerdem will die Labour-Partei einen Vorstoß unterstützen, der Premierministerin Theresa May zum Verschieben des EU-Austritts zwingen soll, falls bis Mitte März kein Austrittsabkommen ratifiziert ist. Damit soll ein ungeregelter EU-Austritt abgewendet werden.
Im weltweiten Containergeschäft haben die Reeder auch nach den chinesischen Feiertagen weiter mit sinkenden Frachtraten zu kämpfen. Der World Container Index der Beratungsfirma Drewry sank vergangene Woche um 4,6 Prozent. Den größten Rückgang verzeichneten die Beobachter auf der Relation Shanghai–Rotterdam, die durchschnittliche Spotrate fiel hier um 10 Prozent auf 1656 Dollar pro FEU.
Der Preisinformationsdienst Platts rechnet diese Woche mit weiteren Einbußen auf den Exportrouten ex Fernost, weil die chinesischen Fabriken mit ihrer Produktion nach dem Neujahrsurlaub erst noch aufholen müssen. In der ersten Märzhälfte dürften die Warenmengen aber wieder so weit gewachsen sein, dass die Frachten einen Auftrieb erfahren, so Platts. Für den Transpazifikverkehr sei die erneute Verschiebung der Strafzollerhöhungen durch Präsident Trump zwar ein positives Signal. Die Lagerbestände in den USA seien aber bereits gut gefüllt, weshalb kurzfristig wohl nicht mit einem Schub bei den Importen aus Asien zu rechnen sei. mph/fab
