Shortsea-Markt weiter unter Druck
Die Fracht- und Charterraten im Kümosektor in Europa stehen weiter unter Druck.
Die allgemeine Flaute am Spotmarkt sei durch die Osterfeiertage noch verstärkt worden, während das ohnehin hohe Tonnageangebot weiter zunehme, berichten Makler. Der European Short Sea Index des Branchendienstes BMTI gab vergangene Woche erneut um 0,9 Prozent auf 19,16 Punkte nach und liegt damit 16 Prozent niedriger vor einem Jahr. In Nord- und Ostsee seien die Reeder, die über freie Tonnage verfügen, glücklich über jede Ladung, die sie bekommen, heißt es. Nachdem alle Anfragen für Ende April gedeckt worden seien, warte man gespannt darauf, ob im Mai mehr Frachtgut in den Markt komme.
Mit Blick auf die aktuellen Wirtschaftsindikatoren sehen die Aussichten dafür aber nicht gerade gut aus. Der Einkaufsmanager-Index der Marktforschungsfirma IHS Markit für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone kletterte im April zwar leicht auf 47,8 Punkte. Er liegt damit aber noch deutlich unter der 50-Punkte-Marke, die Wachstum signalisiert. Auch angesichts weiterer Feiertage und verkürzter Arbeitswochen im Mai sei zu befürchten, dass die Befrachtungsaktivität noch einige Zeit schleppend verlaufen werde, warnte ein britischer Schiffsmakler. Die schwierige Situation am Spotmarkt untergräbt allmählich auch die längerfristigen Erwartungen. Darauf deuten die sinkenden Charterraten für längere Perioden hin. So hat Clarksons Research in London seine Bewertung für Zwölfmonatsperioden für 3500-Tonner seit Januar von 3200 auf 3075 Euro pro Tag herabgesetzt.
Neben Kümos und Mini-Bulkern gibt es auch für kleinere Hochsee-Bulker der Handysize-Klasse kaum Rückenwind in Nordeuropa und dem Mittelmeer. Der Handysize- Index der Baltic Exchange entwickelte sich vergangene Woche seitwärts. Zu den wenigen Frachtabschlüssen in Europa zählte ein Trip mit Getreide vom französischen Rouen nach Algerien für einen 33.000-Tonner zu einer Tagesrate von 7400 US-Dollar pro Tag.
Am Container-Frachtenmarkt gab es ebenfalls relativ wenig Bewegung. Der World Container Index von Drewry legte um ein Prozent, der Shanghai Index SCFI um zwei Prozent zu. Die Index-Rate des SCFI für Shanghai-Nordeuropa kletterte von einem geringen Niveau ausgehend um rund 10 Prozent auf 717 Dollar pro TEU. Per 1. Mai haben die Liner teils massive Ratenanhebungen angekündigt. So sollen die Preise sowohl im Verkehr von Fernost nach Nordeuropa als auch dem Mittelmeer auf rund 1000 Dollar pro TEU angehoben werden. Für den ostgehenden Transpazifikverkehr sind Erhöhungen um 1000 Dollar pro FEU geplant. Unterdessen konnten die Linienreeder bei den Abschlüssen neuer Jahreskontrakte mit nordamerikanischen Kunden per 1. Mai offenbar Fortschritte erzielen. Analysten zufolge stiegen die Kontraktraten für Verladungen von Asien nach Nordamerika um rund 20 Prozent. mph/ger