Staatsyacht auf der Überholspur
Sie ist die älteste noch aktive und die siebtgrößte Superyacht der Welt.
Die „El-Mahrusa“ mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi an Bord hat die große Parade zur Eröffnung des erweiterten Suezkanals angeführt. Der 145,75 Meter lange Oldtimer war bereits vor 146 Jahren das erste Schiff, das den damals neuen Kanal einweihte. Die Yacht ist vor 150 Jahren bei Samuda Brothers in London für die ägyptische Königsfamilie als „El Horreya“ gebaut worden. Der heutige Name bedeutet „Die Geschütze“.
Al-Sisis Prestigeprojekt (THB 5. und 7. August 2015) soll Ägypten dringend benötigte Gelder in die Kassen spülen. Wird der erweiterte Suezkanal halten, was er verspricht? Das Projekt des autoritären Machthabers und Ex-Generals hat umgerechnet mehr als sieben Milliarden Euro gekostet. Das Land am Nil erhofft sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Ausbau war größtenteils national durch den Kauf von Anteilen finanziert worden.
Die für den Welthandel bedeutende Wasserstraße war innerhalb eines Jahres – ursprünglich waren drei Jahre geplant – an einigen Stellen verbreitert und auf einer 72 Kilometer langen neuen Passage zweispurig ausgebaut worden. Mittelfristig soll so die Durchfahrt doppelt so vieler Schiffe ermöglicht werden. Konkret hofft die Kanalbehörde wegen verringerter Wartezeiten, ihren durch Transitgebühren erwirtschafteten Jahresertrag von derzeit 5,3 Milliarden US-Dollar (4,4 Milliarden Euro) bis 2023 auf 13,2 Milliarden US-Dollar zu erhöhen.
Experten haben Zweifel an solchen Prognosen. Die Passagezahlen des Kanals hingen nicht nur von Kapazität und geringeren Wartezeiten ab, sondern auch von Faktoren wie der globalen Wirtschaftsentwicklung oder den Gebühren für die Durchfahrt.
Der 1869 eröffnete und immer weiter ausgebaute Suezkanal ist eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes. Er verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und ist die kürzeste Strecke auf dem Seeweg von Asien nach Europa. Er verringert die Route im Vergleich mit der um das Kap der Guten Hoffnung an der afrikanischen Südspitze um mehrere tausend Kilometer. FBi/dpa
