Tanker-Bestellungen auf Rekordkurs

Lief jetzt erstmals den Hamburger Hafen an: das mit 19.899 BRZ vermessene Tankschiff „Genuine Venus“ von “K” Line, Foto: Hasenpusch

Die 400 Meter lange „Elly Maersk“ machte am Wochenende bei Eurogate in Hamburg fest, Foto: Hasenpusch
Aktuelle Tanker-Neubestellungen sind ein guter Frühphasen-Indikator für die weitere Entwicklung der Flotte. Die Investitionen in der Tankschifffahrt haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.
2013 hatten Neubestellungen den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Im vergangenen Jahr waren die Aktivitäten etwas zurückgegangen. Doch im laufenden Jahr kann das Volumen von 2013 übertroffen werden, prognostiziert Gibson im aktuellen Tanker-Report.
Im Hamburger Hafen gab es am Wochenende eine Premiere: Die japanische Reederei “K” Line stellte ihren Chemikalientanker „Genuine Venus“ in der Elbmetropole vor. Der 171 Meter lange und 27 Meter breite 33.552-tdw-Carrier (IMO 9613965) erreicht einen Tiefgang von 11,5 Metern. Das Schiff entstand 2013 bei der japanischen Kitanihon Shipbuilding in Hachinohe. Die mit 19.899 BRZ vermessene „Genuine Venus“ unter Flagge von Singapur wurde von Class NK klassifiziert. Das Tankschiff kommt mit seiner 7980 Kilowatt leistenden Hauptmaschine auf eine Höchstgeschwindigkeit von 16,5 Knoten.
Die Geschäfte laufen gut für “K” Line. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern einen Nettogewinn von 223 Millionen Dollar. Das sind 61 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Transportvolumen legte das Unternehmen um vier Prozent zu. In den Verkehren zwischen Asien und Europa lag das Plus bei acht Prozent (THB 30. April 2015). Davon profitierte auch der Hamburger Hafen. Die Zahl der Erstanläufe aus Fernost hat sich in der Hansestadt insgesamt deutlich erhöht (THB 20. Mai 2015).
Unter den aktuellen Neubestellungen befinden sich sechs 106.000-tdw-Tanker, geordert von der japanischen Nissen Kaiun bei der ebenfalls in Japan ansässigen Tsuneishi-Werft. Pro Einheit zahlt die Reederei 49 Millionen Dollar. Die Ablieferungen sind nach Brokerberichten für das kommende Jahr vorgesehen. Eine weitere Neubestellung betrifft einen VLCC für die griechische Dea Maritime. Mit der koreanischen Hyundai Heavy Industries ist ein Kaufpreis von 95 Millionen Dollar für den 300.000-tdw-Carrier vereinbart.
Die Tankerflotte wird in diesem Jahr nach Dewrys Einschätzung um 1,3 Prozent zulegen und im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen. Dann nämlich wird die Zahl der Ablieferungen im Vergleich zum laufenden Jahr um 60 Prozent steigen, schätzt das Analysehaus (THB 4. Juni 2015). Das Flottenwachstum werde davon getragen, dass sich die Verschrottungsaktivitäten verlangsamen. Große Tankschiffe dominieren die Orderbücher. Das sei eine Reaktion darauf, dass speziell die langen Handelsrouten künftig voraussichtlich stärker befahren werden.
Auch in der Containerschifffahrt setzt sich die Auftragswelle fort. Das betrifft aktuell das 14.000-TEU-Segment. Hier hat die japanische NYK Line nach Brokermeldungen zwei Einheiten bei Marine United (ebenfalls Japan) für 2018 geordert. Zur Höhe des Kaufpreises sind bislang noch keine Details bekannt.
Marktführer Maersk hatte zuletzt Hyundai Heavy Industries mit dem Bau von neun 14.000-TEU-Containerfrachtern beauftragt. Das Investitionsvolumen liegt bei 1,1 Milliarden Dollar. Für 2017 stehen die Carrier zur Ablieferung an und sollen dann unter der Flagge Singapurs fahren. Zudem hat sich Maersk die Option auf weitere acht Einheiten dieser Größe gesichert. Seit 2002 hat Maersk von Hyundai mehr als 50 Box-Carrier übernommen (THB 9. Juli 2015). In den kommenden fünf Jahren will der dänische Konzern 15 Milliarden Dollar in Neubauten, Umrüstungen bestehender Schiffe, Container und weitere Ausstattung investieren.
Maersk war am vergangenen Wochenende in Hamburg mit einem Megaboxer vertreten. Die 400 Meter lange und 47 Meter breite „Elly Maersk“ (IMO 9321536) machte am Sonntag bei Eurogate fest. Der mit 170.794 BRZ vermesse 158.200-tdw-Carrier entstand 2007 bei der dänischen Odense Steel Shipyard und ist auch in Dänemark registriert. fab
