Transatlantik-Raten steigen weiter an
Exporteure müssen noch tiefer in die Tasche greifen, um ihre Waren nach Nordamerika zu befördern. Knappe Kapazitäten im Transatlantik-Linienverkehr führen dazu, dass die Frachtraten weiter steigen.
Laut dem World Container Index (WCI) des britischen Beratungsunternehmens Drewry kletterte die durchschnittliche Spotrate für die Relation Rotterdam–New York in der vergangenen Woche um 15 Prozent auf 2302 US-Dollar pro FEU. Philip Damas, Leiter der Supply-Chain-Beratung bei Drewry, erklärt den Anstieg mit einer angekündigten Preisrunde der Carrier für den Transatlantikverkehr, „unterstützt durch Kapazitätsengpässe im westgehenden Verkehr“.
Dazu zählt auch die Mediterranean Shipping Company (MSC), die mitteilte, die Basisfracht für Verladungen von Antwerpen nach New York vom 1. Mai an auf 2250 Dollar pro FEU anzuheben – zuzüglich 410 Dollar pro TEU Bunkerzuschlag.
So sind die Marktbedingungen aus Sicht der Carrier weiterhin günstig. Zwar hat die Konjunktur in den USA an Schwung verloren, doch deuten die jüngsten Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und den Service-Sektor mit über 52 Punkten nach wie vor auf Expansion hin.
Gleichzeitig sind die Carrier-Kapazitäten im Nordatlantikverkehr im Vergleich zum Fernost-Europa-Verkehr, der laufend neue ultragroße Schiffe aufnehmen muss, relativ konstant. Auf Jahressicht liegt die WCI-Benchmark-Rate für die Relation Rotterdam–New York ebenfalls 15 Prozent im Plus.
Deutlich angezogen haben auch die Kontraktraten mit sechs- oder zwölfmonatiger Bindung im westgehenden Transatlantikverkehr. Die Beratungsfirma Tim Consult, die Großverlader beim Raten-Benchmarking und Frachteneinkauf unterstützt, taxiert die Erhöhung auf knapp zehn seit vergangenem Sommer. Aufschläge für kurzfristig zugekaufte Kapazität auf Spotbasis seien dabei nicht mitberücksichtigt. Geschäftsführer Björn Klippel sagte der THB-Schwesterpublikation DVZ – Deutsche Verkehrs-Zeitung, dass Großverlader nicht mit einer Trendwende bei den Frachtraten rechnen. „Die allgemeine Erwartung ist, dass der Markt bis Jahresende stabil bleibt, vielleicht noch ein bisschen weiter anzieht“, so Klippel.
Auf den großen Hauptrouten im Seefrachtgeschäft aus Fernost heraus kamen die Frachtraten vergangene Woche jedoch wieder stärker unter Druck.
Der Shanghai Index SCFI rutschte um mehr als zwei Prozent auf rund 761 Zähler. Er liegt damit aber nach wie vor zehn Prozent höher als vor einem Jahr. Den stärksten Rückgang verzeichnete der SCFI auf der Route von Shanghai zur Ostküste Südamerikas (Santos) mit minus 14 Prozent auf 1230 Dollar pro TEU. mph/ger