Transpazifik-Raten unter Druck
Auf der wichtigen Route von Asien nach Nordamerika sind die Frachten vergangene Woche stark gefallen. Die Importaktivität in den USA sei aufgrund der Gefahr höherer Strafzölle über Monate unerwartet hoch gewesen. Zudem habe sich der saisonale Exportschub Chinas kurz vor Chinesisch Neujahr positiv auf die Raten ausgewirkt. „Beide Faktoren sind nun aber weggefallen“, sagte Drewry-Berater Philip Damas. Ein negativer Trend am Seefracht-Spotmarkt ist für diese Jahreszeit zwar nicht ungewöhnlich, in dieser Deutlichkeit für die Linienreeder aber besorgniserregend. Denn in Nordamerika laufen jetzt die jährlichen Vertragsverhandlungen zwischen Reedern und Großverladern an. Die Seefrachten und Zuschläge werden traditionell für den Zeitraum vom 1. Mai bis 30. April des Folgejahres festgelegt. Die Verhältnisse am Spotfrachtenmarkt bilden dabei einen der Orientierungspunkte für die Vertragspartner.
Zusätzliche Brisanz erhalten die Frachtverhandlungen dadurch, dass Reeder und Kunden erstmals die Kosteneffekte der neuen Schwefelbestimmungen für Schiffstreibstoff einpreisen müssen. Durch die Absenkung des maximal erlaubten Schwefelgehalts von 3,5 auf 0,5 Prozent zum 1. Januar 2020 dürften sich die Brennstoffe erheblich verteuern. Mehrere Reeder haben bereits neue Berechnungsformeln für Bunkerzuschläge veröffentlicht, die von vielen Verladern aber kritisch gesehen werden. Die dänische Beratungsfirma SeaIntelligence geht auf Basis aktueller Preisinformationen davon aus, dass sich die Low-Sul phur- Zusatzkosten im Transpazifikgeschäft auf rund 300 Dollar pro FEU belaufen könnten. Auf den meisten anderen Routen weltweit tendierten die Frachtraten indes stabil. Laut dem WCI blieb das Niveau auf der Fernost-Europa-Route bei 1652 und im westgehenden Transatlantikverkehr bei 1999 Dollar pro FEU.
Im Dry-Bulk-Sektor zogen die Fracht- und Charterraten vergangene Woche leicht an. Der Baltic Dry Index kletterte um 30 auf 664 Zähler. Allerdings partizipieren nach wie vor nur mittlere und kleinere Bulker mit eigenen Kränen an dem Aufwärtstrend. Die Durchschnittsrate der Kam sarmaxe im Zeitcharter-Trip-Geschäft zog um 27 Prozent auf knapp 8700 Dollar pro Tag an, Supramaxe und Handysizer verbesserten sich um 6 bis 7 Prozent auf 8400 und 7500 Dollar pro Tag. Für die Capesizer ging es mangels Ladung am Spotmarkt noch tiefer in den Keller. Ihr Durchschnittsniveau sank um 14 Prozent auf 5065 Dollar pro Tag. mph/fab
