Unruhe am Tankermarkt

Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman haben die Frachtraten für Rohöltransporte aus dem Persischen Golf heraus stark angezogen.

 Auf der Strecke nach Fernost kletterten die durchschnittlichen Spoteinnahmen von VLCC-Einheiten bis vergangenen Freitag auf 17.400 US-Dollar pro Tag – rund 50 Prozent mehr als noch in der Vorwoche. Zuvor hatte der Chartermarkt in der Region angesichts der Produktionsbeschränkungen der Opec wochenlang auf niedrigem Niveau stagniert.

Schiffsmakler rechnen aufgrund der angespannten Sicherheitslage mit einer weiteren Verteuerung der Transporte. Reeder brauchen höhere Raten, allein um die steigenden Kosten zu decken. So ist davon auszugehen, dass die Schiffsversicherer die Extraprämien für Hafenanläufe in der Region deutlich anheben. Schon nach den vorangegangenen Sabotage akten auf vier Tanker Mitte Mai hatte das Joint War Committee der Versicherungsbörse Lloyd’s of London seine Risikoeinstufung für den Persischen Golf und den Golf von Oman angehoben, was für die gesamte Branche Signalwirkung hat.

Die Versicherer decken Schiffspassagen in der Region somit nicht mehr pauschal mit ab, sondern verlangen Extraprämien. Diese könnten für Großtanker Experten zufolge auf bis zu 30.000 Dollar pro Tag ansteigen. Zudem dürfte verfügbare Tonnage im Persischen Golf ohnehin knapper werden, weil die Reeder ihre Schiffe bevorzugt in andere Ölexportregionen schicken wie Westafrika oder den Golf von Mexiko, warnen Analysten.

Indes schwankten die Ölpreise: Nach den Zwischenfällen am Donnerstag zogen sie aus Angst vor Versorgungsengpässen an – die Nordseesorte Brent verteuerte sich zunächst von weniger als 60 auf mehr als 62 Dollar pro Barrel. Am Dienstagmorgen fiel der Preis dann aber wieder auf 60,87 Dollar pro Barrel und es standen wieder Nachfragesorgen klar im Vordergrund: Befürchtet wird, dass die von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten die bereits angeschlagene Weltwirtschaft zusätzlich schwächen und die Ölnachfrage belasten könnten.

Die Entwicklung der vergangenen Tage wirkte sich auf den Bunkermarkt kaum aus, so dass sich daraus allein kein Druck zur Anhebung der Frachtraten in der Schifffahrt ergab. Für Containertransporte in den Persischen Golf hinein sind sie in der vergangenen Woche sogar leicht gesunken. Laut Shanghai Index SCFI fiel die durchschnittliche Spotrate für Verladungen von Shanghai nach Dubai von 840 auf 820 Dollar pro TEU.

Zugleich sehen die Linienreedereien ihre Dienste in der Region offenbar nicht gefährdet. So hatte US-Außenminister Mike Pompeo am Wochenende erklärt, dass die USA den freien Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus garantieren würden. Maersk und Hapag-Lloyd teilten auf Anfrage der THB-Schwesterpublikation DVZ – Deutsche Verkehrs-Zeitung mit, dass zu Wochenbeginn keine Risikozuschläge für Verschiffungen durch die Straße von Hormus erhoben würden. „Unsere Tätigkeiten im Mittelost-Golf sind nicht beeinträchtigt. Wir behalten die Situation aber im Auge und ergreifen Vorsichtsmaßnahmen“, sagte eine Sprecherin von Maersk. mph/ger

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