CLIA fordert „Messungen nach anerkannten Standards“

Auch im Hafen laufen die Motoren der Kreuzfahrtschiffe, Foto: Arndt
Vor dem Hintergrund des boomenden Kreuzfahrtmarktes warnt der Umweltverband NABU vor zunehmenden gesundheitlichen Gefahren durch die Abgase der Schiffe.
Die ultrafeinen Partikel aus den Schornsteinen belasteten die Anwohner und Schiffsreisenden, weil sie schwere Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Schäden verursachen können, sagte der NABU-Referent für Verkehrspolitik, Sönke Diesener. Diesener hat am vergangenen Donnerstag am Kreuzfahrtterminal in Bremerhaven die Luftschadstoffbelastung gemessen, die von der „Artania“ (44.588 BRZ, IMO 8201480) ausging. „Der Wert ist über hundertfach höher als die örtliche Hintergrundbelastung“, bilanzierte er im Anschluss an die Messung. Da Kreuzfahrtschiffe einen hohen Energiebedarf haben, sind ihre Motoren auch während der Liegezeit im Hafen in Betrieb. Der NABU fordert daher im Rahmen seiner Kampagne „Mir stinkt’s – Kreuzfahrtschiffe sauber machen“ die Reeder auf, ihre Cruiser mit Partikelfiltern und Stickoxidkatalysatoren auszurüsten.
Der Kreuzfahrtverband CLIA Deutschland, der die Interessen aller hierzulande tätigen CLIA-Mitgliedsreedereien gegenüber regulatorischen und gesetzgebenden Entscheidungsträgern vertritt, befürwortet Messungen zur Bestimmung der Luftqualität in den Häfen ausdrücklich, damit die gesetzlich vorgeschriebenen Richtwerte nicht überschritten werden.
„Wir fordern jedoch, dass diese Messungen nach fairen Kriterien und wissenschaftlich anerkannten Standards vorgenommen werden. Relevant ist in diesem Fall die durchschnittliche Schadstoffbelastung über das Jahr, nicht das Mess ergebnis an einem Tag oder gar für wenige Minuten. CLIA Deutschland ist nach wie vor offen für einen kon struktiven und auf Fakten basierenden Dialog“, sagt Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland, anlässlich der Luftmessungen des NABU in Bremerhaven. Zum Hintergrund: Alle Cruiser in der Nord- und Ostsee sind verpflichtet, für ihren Schiffsantrieb entweder Kraftstoff mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,1 Prozent zu verwenden oder Entschwefelungsanlagen einzusetzen, die zu denselben niedrigen Emissionswerten führen. Dies ist eine Vorschrift der International Maritime Organization (IMO), die seit dem 1. Januar 2015 verbindlich ist.
„Kreuzfahrtschiffe, die in Bremerhaven liegen, werden nicht mit Schweröl betrieben. Die benötigte Energie während der Liegezeit wird über Hilfsmotoren, die niedrig-schwefeligen Marinediesel nutzen, erzeugt“, so Grammerstorf. Die geforderte Technologie für Cruiser, die sehr kleine Rußpartikel, die sogenannten Kleinstpartikel PM1, mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer filtern kann, gibt es noch nicht. Die Motorenhersteller können der Kreuzfahrtindustrie daher momentan noch keine Filter für diese Kleinst partikel liefern. Um geeignete Filter zu entwickeln, arbeiten die Reedereien eng mit den Herstellern zusammen. bre/dpa
