Cruise Liner als Inkubatoren?

Nach dem Ende der Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ in Japan hat ein Experte von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene angemahnt, Lehren aus dem Fall zu ziehen. Offenbar könne sich ein Kreuzfahrtschiff unter solchen Umständen als Inkubator für Infektionen erweisen, sagte Peter Walger. Die Passagiere seien offenbar einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt gewesen.

Wie die Fachgesellschaft mitteilte, hält sie es für „unmöglich“, in der Quarantäne auf einem Kreuzfahrtschiff Hygienebedingungen zu gewährleisten, die eine Übertragung des Erregers auf weitere Passagiere und Crewmitglieder sicher ausschließen. Zwei mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 infizierte Passagiere von Bord des Kreuzfahrtschiffes „Diamond Princess“ sind inzwischen gestorben.

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sollten Experten nun im Hinblick auf künftiges Risikomanagement prüfen, inwieweit möglicherweise Fehlverhalten von Passagieren und Crew, beengte Verhältnisse sowie Klima- und Sanitäranlagen das Infektionsgeschehen an Bord beeinflusst haben. Spezielle Filter in der Raumlufttechnik, die Krankheitserreger zurückhalten könnten, gebe es auf Kreuzfahrtschiffen nicht.

Auch Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, sagte, dass mangels der speziellen Filter in den Klimaanlagen Infektionen auf solchen Schiffen auch über geschlossene Räume erfolgen könnten. Ein bisher unterschätztes Risiko sei womöglich zudem, dass auch in Stuhlproben von Patienten in der Initialphase einer Covid-19-Erkrankung „durchaus relevante Mengen“ von Sars-CoV-2 nachweisbar seien. Es sei daher denkbar, dass es beim Toilettengang im Kreuzfahrtschiff zu Ansteckungen kommen könne.

Indes berichtet der Crewing-Spezialist Danica Maritime Services, dass zunehmend osteuropäische Seeleute angefragt würden. „Wir erhalten Anfragen von Reedereien, die normalerweise Seeleute chinesischer Nationalität beschäftigen würden, weil die Besatzungsmitglieder aufgrund der Reiseverbote nicht auf die Schiffe kommen“, heißt es in einer Mitteilung. bek/dpa

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