Cruise-Reedereien wollen mehr Landstrom

Für die internationale Kreuzfahrtbranche gewinnt die technische Fähigkeit zum Bezug von Landstrom während der Hafenliegezeiten einen immer höheren Stellenwert.

Das wurde auf dem jüngsten „Environment Day der Kreuzfahrtindustrie“ deutlich, der jetzt in Berlin zum 2. Mal in Folge durch die deutsche Niederlassung des Internationalen Kreuzfahrtverbandes Cruise Line International Association (CLIA Deutschland) ausgerichtet wurde.

„Viele neuere Kreuzfahrtschiffe sind schon mit Landstromanschlüssen ausgestattet, um während der Liegezeit die Motoren ausschalten zu können. Die Häfen müssen jetzt noch mit dem Ausbau der Infrastruktur nachziehen“, stellte Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland, fest. Er verwies beispielhaft auf den Hamburger Hafen, der als erster europäischer Standort gleich drei unterschiedliche Landstromkonzepte anbietet: die LNG Power Barge von Becker Marine Systems, die stationäre Stromversorgung am Cruise Center Altona (CC 2) sowie die Erdgas-Direktanlieferungsmöglichkeit am neue Cruise Center Steinwerder (CC 3).

Auch in Kiel plane der Hafen einen Land strom anschluss, der am Norwegenkai installiert werden soll. Die an dieser Anlage betreute norwegische Color Line bezieht bereits seit mehreren Jahren während der Hafenliegezeiten in Oslo Landstrom.

Grammerstorf wies zudem darauf hin, dass die Cruise-Liner schon heute in den Häfen besonders sauberen Kraftstoff mit einem Schwefelgehalt von 0,1 Prozent verbrauchen, und zwar für die Hauptmaschine und die Nebenaggregate.

In den Häfen werde regelmäßig überprüft, ob die Grenzwerte für verschiedene Schadstoffe auch eingehalten werden. Für diese Schadstoffmessungen sei der Jahresmittelwert entscheidend und nicht der an einem bestimmten Tag gemessene Wert. So ergab beispielsweise eine Untersuchung im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein, dass für alle untersuchten Schadstoffkomponenten die geltenden Grenzwerte zum Schutz des Menschen im Kieler Hafen eingehalten werden, berichtete Grammerstorf.

Die Kreuzfahrtindustrie ha-be in den zurückliegenden Jahren „erhebliche Investitionen“ mit dem Ziel getätigt, umweltfreundliche Technologien zur Abgasreduzierung zu entwickeln und umzusetzen. „Ein Meilenstein für die Kreuzfahrtindustrie“ seien dabei mehrstufige Abgasreinigungssysteme, die unterschiedliche Emissionen gleichzeitig behandeln können.

Nach Reedereiangaben sei es damit möglich, Rußpartikel um 90 Prozent, Stickoxide um 95 Prozent und Schwefelemissionen um 99 Prozent zu reduzieren. Die Anlagen kämen bereits auf vielen Neubauten zum Einsatz und würden auch auf Bestandsschiffen nachgerüstet. EHA

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