Erst reisen, dann aufliegen

Die „Aidacara“ hat in Hamburg-Altona festgemacht. Hier gingen rund 1100 Passagiere von Bord, Foto: Timo Jann
Die bislang erfolgsverwöhnte internationale Kreuzfahrtindustrie macht augenblicklich eine emotionale Achterbahnfahrt durch. Vor allem werden die voll und ganz auf den Expansionsmodus eingestellten Cruise-Reedereien mit der Notwendigkeit konfrontiert, ganze Flotten mit einem Mal stillzulegen, nachdem die Schiffe zuvor noch die letzten Reisen abschlossen. Das Ganze mit dem Ziel, dass die ihnen anvertrauten Passagiere im Zeichen einer galoppierenden Covid-19-Seuche noch unversehrt ihre Heimatländer erreichen können.
Damit nicht genug: Der normalerweise mit dem März verbundene Auftakt für die neue Kreuzfahrt-Saison, in der Regel in den verschiedenen Häfen zelebriert mit einem kleinen Event, entfällt – aus Sicherheitsgründen. So hätte beispielsweise der Hafen Kiel seine Kreuzfahrt-Saison 2020 am 27. März gestartet. Doch das ist jetzt obsolet, genau wie in anderen namhaften Kreuzfahrthäfen in Europa. Ländergrenzen innerhalb der EU werden im Stundentakt geschlossen, die Bewegungsfreiheit der Bürger wird von Staats wegen eingeschränkt, um so die galoppierende Ausbreitung dieser Pandemie zumindest zu bremsen. An eine Wiederaufnahme des Normalbetriebs denkt bei den Reedereien, aber auch in den auf das Cruise-Geschäft ausgerichteten Häfen derzeit keiner. Die Rede ist von einem Ende April bis in den Mai hinein.
Für die Reedereien beginnt mit der Abgabe des letzten Passagiers allerdings die noch größere Arbeit. Die Unternehmen müssen sich zum Beispiel darum kümmern, für ihre wertvollen Schiffe im Wortsinne sichere Häfen und damit auch Liegeplätze zu finden. Und das nicht nur für Tage, sondern für mehrere Wochen, vielleicht auch für einige Monate. Sicher heißt dabei vieles: Dazu gehört auch, dass die Schiffe nicht für Dritte erreichbar sind. Das ist im Zeitalter des ISPS-Code (seit 2004) natürlich bereits grundsätzlich der Fall. Doch für Kreuzfahrtschiffe sind entsprechende Qualitäts-Liegeplätze nicht ohne weiteres als Massenartikel in den Häfen zu bekommen. Hinzu kommt: Die Reedereien müssen sich um die Besatzungen kümmern.
Gerade das Service-Personal an Bord stammt dabei inzwischen mehrheitlich aus Asien, vor allem von den Philippinen. Ein Problem: Diese Mitarbeiter sind in der Regel über dortige Crewing-Agenturen beschäftigt. Die Kontrakte haben üblicherweise eine Laufzeit von einem halben Jahr.
In Hamburg wurde am Kreuzfahrtterminal in Altona (CC 2) am Donnerstag die „Aidacara“ abgefertigt, Sie kam aus Norwegen. Rund 1100 Passagiere gingen nach THB-Informationen von Bord. Am Abend wurde das Passagierschiff dann zum Cruise Center Steinwerder (CC 3) verholt. Damit liegen an diesem Terminal jetzt zwei Schiffe von Aida, die insgesamt 14 Luxus-Liner für mehrere Wochen stilllegen muss. EHA
