Fast 500 Anläufe in drei Nordhäfen

Am 23. Oktober wird in Hamburg eine neue Rekordmarke gerissen. Die „Norwegian Escape“ wird als bisher größtes Kreuzfahrtschiff den Hafen der Hansestadt ansteuern. Die US-Reederei Norwegian Cruise Line hat damit erstmals für eine Präsentation Rotterdam eine Absage und Hamburg eine Zusage erteilt. Die Schwesterschiffe „Norwegian Getaway“ und „Norwegian Breakaway“ hatten die Amerikaner noch in Rotterdam vorgestellt.

Offiziell begründet wird der Wechsel damit, dass Hamburg der wichtigste deutsche Hafen sei. Rotterdam liege zwar für die Anreise der deutschen Gäste aus Süddeutschland besser und sei nautisch auch besser erreichbar, dennoch hat Hamburg 2015 aufgeholt. Der Kronprinzkai ist fertig. Und auch die Zufahrt von der Norderelbe zu dem Terminal auf Steinwerder wurde angepasst. Der Containerterminal Tollerort musste für die Verbesserung der nautischen Bedingungen einen Teil seines Kais abgeben. Die Hamburg Port Authority will den Rückbau bis zum Jahresende abgeschlossen haben.

Die von der Meyer Werft gebaute „Norwegian Escape“ ist zwar fast 20 Meter kürzer als die „Queen Mary 2“ der Cunard Line. Bei der Vermessung übertrifft sie das Flaggschiff der Reederei Cunard mit 164.600 zu 148.528 BRZ jedoch deutlich.

Wie sehr Hamburg den neuen Terminal in Steinwerder benötigt, hatte am 1. Mai die Reederei MSC erfahren müssen. Da Steinwerder noch nicht fertig war, musste die „MSC Splendida“ an den 2002 eingeweihten Terminal Grasbrook. Ein Terminal, der eigentlich für 2000 bis 2500 Passagiere ausgelegt ist. Bei der „MSC Splendida“ gab es am 1. Mai teilweise Wartezeiten von bis zu zwei Stunden für Passagiere. Zum Vergleich: In Port Everglades beträgt die höchste Wartezeit für Passagiere 15 Minuten. Am neuen Terminal 18 für die „Oasis of the Seas“ und die „Allure of the Seas“ befinden sich über 90 Counter fürs Check-in-Verfahren. Dort darf es nicht mehr als 15 Minuten dauern, die ein Passagier zwischen dem Betreten der Abfertigungsanlage und der Gangway benötigt. Natürlich inklusive Bordkarten-Ausgabe, Kreditkarten-Erfassung, Pass- und Zollkontrolle.

Auch bei der Passagierkapazität werden in Hamburg neue Maßstäbe gesetzt. Der neue Terminal entstand auf dem alten UCT-Containerterminal, einem der ältesten Hamburger Containerterminals. An der mehr als 400 Meter langen Kaikante sind zwei Abfertigungsgebäude mit zusammen 9000 Quadratmetern Fläche entstanden. Ankunfts- und Abgangsbereich sind räumlich getrennt worden. So können Aus- und Einschiffung auch parallel erfolgen. Zwei Passagiergangways wurden installiert.

Der Neubau ist auch in anderer Sicht für die Hansestadt Hamburg beachtlich. Mit 64 Millionen Euro fielen die Kosten fast 16 Millionen Euro niedriger aus als veranschlagt. In einer Stadt, in der eine Elbphilharmonie zum Trauma für die gesamte städtische Bauverwaltung wird, ist das ein gutes Zeichen.

Finanziert wird der Terminal nicht nur durch die Liegegebühren der Schiffe. Kreuzfahrtreedereien sollen zukünftig mit einer Abfertigungsgebühr pro Passagier von 6,60 Euro zur Kasse gebeten werden. Ein weiterer Geldbringer soll die gewaltige Terminalfläche sein. Dort sollen Passagiere ihre Autos für die Dauer der Reise parken können. Die 1500 Stellplätze für private Pkw sollen für 99 Euro pro Woche angeboten werden. Bei den Reedereien stieß diese Ankündigung nicht nur auf Zustimmung. So liegt Hamburg bei den Passagiergebühren deutlich über denen der Wettbewerber Kiel und Warnemünde. Und auch die Parkgebühren liegen mit 99 Euro deutlich über denen in Kiel und Warnemünde, wo das Unterstellen der Autos auf dem Terminal oder in der Nähe zum Teil weniger als 70 Euro kostet.

Mit dem dritten Terminal ist Hamburg jetzt zu Kiel aufgeschlossen. Bislang hatte die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt als einziger deutscher Kreuzfahrthafen drei Terminals für die Abfertigung von Kreuzfahrtschiffen. Warnemünde bereitet derzeit auch den Ausbau seines Terminals vor. Die Stadt an der Warnow hat aktuell einen Terminal mit drei Liegeplätzen in Warnemünde und einen weiteren Liegeplatz im Überseehafen.

Die drei Städte Hamburg, Kiel und Warnemünde fertigen mehr als 470 Schiffe ab. Damit ist die Gesamtzahl der Anläufe der drei führenden deutschen Häfen gegenüber 2014 um 30 Anläufe zurückgegangen. 2014 hatten sie zusammen noch 499 Anläufe in den Listen. Ein Grund für den Rückgang ist die Erkundung neuer Häfen. Travemünde, Bremerhaven und auch Wismar stärken seit Jahren ihre Position als Alternative zu den Marktführern.

Hinzu kommen Häfen, die bislang gar nicht in den Reiserouten der Kreuzfahrtschiffe zu finden waren. Dazu gehören Borkum, List auf Sylt, Sassnitz und auch Flensburg und Eckernförde. Im Sommer hat erstmals Phoenix Seereisen mit der „Albatros“ den Hafen Eckernförde angelaufen. Nach ersten Rückmeldungen sei es ein voller Erfolg gewesen, ist zu hören. Neben den großen Reisewechselhäfen rücken damit besonders kleinere Häfen als Besuchsziele ins Visier der Routenplaner der Reedereien. FB

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