Kiel knackt eigenen Kreuzfahrt-Rekord

Maßgeblich am Kieler Kreuzfahrt-Erfolg beteiligt: die Schiffe der Rostocker Reederei Aida Cruises, Foto: Behling
Im Hafen Kiel wird am Samstag mit der „Aidaprima“ die 800.000. Passagierabfertigung im laufenden Jahr erwartet. Nach dem Rekordjahr 2018 mit insgesamt knapp 600.000 Passagierbewegungen hat der Standort damit in nur einem Jahr einen Zuwachs von rund 33 Prozent im Kreuzfahrtsegment erreicht.
Zum Ende der Saison ist eines klar: Es sind vor allem die großen Schiffe wie die „MSC Meraviglia“ mit Platz für 5400 Passagiere oder eben die „Aidaprima“ mit 4200, die den neuen Rekord ermöglichen. Aber auch eine gute Anbindung an Bahn- und Autobahnnetz und ein geschützter Hafen spielen wichtige Rollen. So überzeugt Kiel immer mehr Reedereien als idealer Ausgangspunkt für Fahrten in die Ostsee.
Dass Wachstum allein schon lange nicht mehr ausreicht, um glänzen zu können, ist dem Seehafen Kiel allerdings ebenso bewusst. Deshalb gewinnt der Umweltschutz rasant an Bedeutung. Kiel bekommt für 15 Millionen Euro die derzeit modernste und größte Landstromanlage in Europa. „60 bis 70 Prozent der Schiffe, die in unserem Hafen sind, sollen künftig mit Landstrom versorgt werden. Damit werden wir international eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagte Seehafenchef Dirk Claus jetzt während einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Kreuzfahrt in Kiel. Ein wichtiger Aspekt für das künftige Wachstum sei die Verlegung von den meist sehr neuen Schiffen nach Kiel.
Aida-Sprecher Hansjörg Kunze betonte: „Wir fühlen uns in Kiel sehr wohl. Im nächsten Jahr haben wir 65 Anläufe von unseren Schiffen in Kiel.“ Ende des Jahres würden außerdem 12 von 14 Schiffen in der Lage sein, Landstrom zu beziehen. Und: 2020 soll die „Aidaperla“ mit dem bislang größten Batterie-Paket auf einem Kreuzfahrtschiff ausgerüstet werden. „Wir werden mit dem Schiff ab 2021 auch nach Kiel kommen“, stellte Kunze in Aussicht.
Auch auf Seiten der Umweltschützer gibt es durchaus Anerkennung für die Veränderungen zumindest in Teilen der Kreuzfahrtindustrie. „Die Kreuzfahrtreedereien, die in Deutschland aktiv sind, die tun schon sehr viel“, sagte Malte Siegert, Leiter Natur- und Umweltpolitik aus Hamburg vom Nabu aus Hamburg.
Vor allem die Anstrengungen für die Nutzung von Landstrom, LNG und Batterien seien ein Weg zu einem möglichst nachhaltigen Urlaub auf See. „Man muss anerkennen, dass Reedereien wie Aida, TUI oder Hapag-Lloyd deutlich mehr machen als viele Reedereien, die in anderen Teilen der Welt fahren“, betonte Siegert. Das sei auch das Ergebnis des Drucks von Umweltverbänden und der Öffentlichkeit, der in Deutschland eben viel höher sei als in anderen Ländern. FB/ger