Starke Wertschöpfungskette

Vom ungebrochenen Erfolg der Kreuzschifffahrt profitieren inzwischen immer mehr Bereiche – in den Häfen, bei der internationalen Zuliefererindustrie sowie in der Touristiksparte.

Dieser Entwicklung trägt die heute in Hamburg endende Fachmesse „Seatrade Europe“ Rechnung. Für Unternehmen, die sich für ihre Produkte und Dienstleistungen eine neue Marktchance im Cruise-Sektor ausrechnen, organisierten die Veranstalter nicht nur einen eigenen „Newcomers Pavilion“, sondern auch einen eigenen „Supplier's Workshop“ auf der Messe. Die Versorgung der Kreuzfahrtschiffe während der Reise setzt eine umfassende logistische Planung voraus. Gefordert ist daher eine starke Wertschöpfungskette. Zur Einordnung: Nach Branchenerhebungen gaben Kreuzfahrtreedereien 2014 für Ausrüstung, Dienstleis tungen und Proviant ihrer Schiffe allein in Europa rund sieben Milliarden Euro aus –Tendenz steigend.

Denn je nach Größe des Schiffes und damit auch nach Zahl der Passagiere und der Besatzung geht es schnell um die Versorgung in der Größenordnung einer Kleinstadt. Täglich werden mehrere Tonnen Lebensmittel auf einem Cruise-Liner verbraucht. Die komplexen Planungen für den Lebensmittelbedarf einer Kreuzfahrtreise werden individuell auf jede Reise abgestimmt. Die Lebensmittel müssen beispielsweise so ausgesucht werden, dass der Großteil für die Dauer der Reise haltbar ist. Aber auch das Angebot variiert je nach Reiseroute. So sind die Speisen im Verlauf einer Mittelmeerreise eher von mediterranen Lebensmitteln geprägt, während bei Reisen in Nord- und Ostsee stärkere skandinavische Einflüsse zu finden sind. Für die Logistik der Lebensmittelvorräte auf Kreuzfahrtschiffen ist ein sogenannter Proviantmeister zuständig. Er sichert gemeinsam mit seinem Team Nachschub, Lagerung und Qualität der Waren. Während einer Zwölf-Nächte-Kreuzfahrt an Bord eines Schiffes wie der 2009 gebauten „MSC Splendida“ werden zum Beispiel 27 Tonnen frisches Gemüse verbraucht. Das mit 137.936 BRZ vermessene Luxusschiff bietet Platz für rund 3200 Passagiere und knapp 1400 Besatzungsangehörige. „Außerdem verzehren unsere Gäs te in dieser Zeit rund 41.000 Liter Milch, zehn Tonnen Fisch und 2,5 Tonnen Käse“, berichtet Michael Zengerle, Geschäftsführer von MSC Kreuzfahrten Deutschland. Es müssten jedoch nicht nur die entsprechenden Mengen an Bord genommen und fachgerecht verstaut werden. „Wir müssen auch den Speiseplan auf die verschiedenen Nationalitäten an Bord abstimmen“, so Zengerle.

Die Qualität des Essens, aber auch die angebotene Speisenvielfalt haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Zufriedenheit der Passagiere. Das bestätigt auch Karl J. Pojer, CEO von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten.

„Der Genuss von kulinarischen Spezialitäten einer Destination gehört zu einem erfüllten Reiseerlebnis dazu. Daher kaufen die Küchenchefs auf den Märkten dieser Welt ein und bringen den Gäs ten das Reiseziel auch kulinarisch näher. Der Großteil der Gäste möchte im Urlaub jedoch nicht auf heimische Speisen ganz verzichten.“

Neben der anspruchsvollen Logistik rund um das fahrende Kreuzfahrtschiff spielt das Thema „Supplier“ aber auch beim Bau eines solchen Technikwunders eine ganz entscheidende Rolle, betont Ralf Sempf, Chef für Einkauf und Materialwirtschaft bei der Meyer Werft. „ Wir arbeiten daher eng mit vielen Lieferanten und Partnerfirmen zusammen, um die Schiffe in all diesen Bereichen nach neuesten Standards auszustatten. Ohne deren Engagement und Expertise könnten wir die Großprojekte gar nicht realisieren.“ An der Fertigstellung eines Kreuzfahrtschiffes sind bei der Meyer Werft in der Regel bis zu 800 Lieferanten beteiligt. Dabei spielen regionale und überregionale Partner eine Rolle. Allein mit Unternehmen aus der Region, in einem Umkreis von etwa 150 Kilometern um die Werft in Papenburg, realisiert die Meyer Werft momentan gut 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. EHA

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