Coronavirus als Nato-„Überraschungsgegner“

Als militärischer Großraumtransporter wieder gefragt: die 2000 „Britannia Seaways“ der DFDS Seaways, Foto: Behling
Die globale Coronavirus-Problematik erreicht jetzt auch das westliche Verteidigungsbündnis Nato.
Das derzeit in Nordnorwegen laufende Großmanöver „Cold Response 2020“ wird vorzeitig beendet, allerdings „kontrolliert“, wie die für die Durchführung der Operation zuständigen norwegischen Streitkräfte jetzt mitteilten.
„Das Coronavirus ist jetzt in der norwegischen Gesellschaft außer Kontrolle geraten, und das ist eine neue Situation für uns. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Übung kontrolliert zu beenden“, erklärte der norwegische Generalleutnant Rune Jakobsen von Norwegian Joint Headquarters.
Man wolle das bereits stark beanspruchte norwegische Gesundheitssystem nicht durch mögliche Coronavirus-Fälle im Zuge des Manövers herausfordern und belasten. Im Rahmen der seit 2006 unter diesem Code-Namen durchgeführten militärischen Großübung geht es im Kern darum, den Schutz der Nordflanke – Norwegen grenzt hier an Russland – im Nato-Großverband zu üben und im Krisenfall auch zu gewährleisten.
Auch in diesem Jahr sind wieder Truppenkontingente verschiedener Nato-Staaten vertreten, darunter auch Soldaten der Bundeswehr. Es handelt sich dabei um Spezialeinheiten des deutschen Heeres, im Besonderen Gebirgsjäger und auch Fernspäher. Bereits im Vorfeld des Großmanövers hatte Finnland seine Beteiligung mit dem Hinweis auf die Covid-19-Thematik abgesagt. Der ursprüngliche Zeitplan sah die Durchführung des Manövers zwischen dem 2. und dem 18. März vor.
Die nun beschlossene vorzeitige Beendigung bedeutet auch, dass neben den Soldaten auch große Mengen an militärischer Ausrüstung und weiterem Verbrauchsmaterial wie zum Beispiel Munition schnell, sicher und geordnet in die jeweiligen Partnerländer zurückgeführt werden müssen.
Während das Militärpersonal per Flugzeug in die jeweiligen Heimatländer befördert werden soll, wird für das Material Schiffstransport raum benötigt. Dazu gibt es entsprechende Rahmenvereinbarungen mit den in diesem Fahrtgebiet bedeutenden Reedereien, so etwa Stena Line, Color Line, Cobelfret oder auch DFDS Seaways. Das dänische Unternehmen stellt dafür seine im Jahr 2000 gebaute „Britannia Seaways“ (IMO 9153032) zur Verfügung. Die mit 24.613 BRZ vermessene und 11.089 tdw tragende, 197 Meter lange und 25 Meter breite RoPax-Fähre wurde auf der Werft Fincantieri in Triest gebaut. EHA/FB