EEG-Umlage bei Landstrom „deplaziert“

Den Senator in die Mitte genommen: die in Hamburg vereinten deutschen Hafenkapitäne, Foto: Arndt

Zugkraft: Poller in den Häfen müssen richtig bemessen sein, Foto: Arndt
Hamburgs Wirtschafts- und Hafensenator Frank Horch (parteilos) macht beim Thema „EEG-Umlage auf Landstrom“ weiter Druck auf den Bund.
„Die EEG-Umlage in ihrer heutigen Ausgestaltung behindert die Nutzung von Landstrom während der Hafenliegezeiten durch die Reedereien. Diese Umlage ist deplaziert“, sagte Horch am Dienstag am Rande der Jahrestagung des Verbands Deutscher Hafenkapitäne (VDHK).
Für Horch können Landstromversorgungseinrichtungen einen wirksamen Beitrag dazu leisten, die Luftschadstoffbelastung in den Häfen zu verbessern. Doch dann müssten sie auch genutzt werden. Der Senator weiter: „Die Luftreinhaltung in den Häfen stellt nach meiner Überzeugung eine der großen Herausforderungen für die maritime Wirtschaft dar.“
Der Senator freute sich über die Ausrichtung der Expertentagung. Sie sei auch deshalb besonders wertvoll, „weil die Häfen starken Veränderungen ausgesetzt sind“. Dazu gehört für ihn vor allem der Einsatz von immer mehr Großcontainerschiffen. Horch wörtlich: „Die Frachter sind geradezu dramatisch gewachsen.“ Er habe jedenfalls größte Wertschätzung für die Arbeit der Hafenkapitäne, zu deren Kernaufgaben die Sicherheit des Schiffsverkehrs gehört. Horch wörtlich: „Ich sage Herrn Pollmann immer wieder: Passen Sie mit Ihren Leuten bloß auf, dass nichts passiert.“
In der Hansestadt kamen jetzt die insgesamt 22 deutschen Hafenkapitäne zu ihrem Jahrestreffen zusammen. Es findet im Wechsel in einem der jeweiligen Mitgliedshäfen statt. 2018 beispielsweise wird die VDHK-Konferenz in Kiel ausgerichtet.
Jörg Pollmann, Chef des Oberhafenamtes in Hamburg, weiter: „Wir hatten zuletzt vor zehn Jahren diese Tagung in Hamburg.“ Nach Darstellung von Pollmann diskutierten die Hafenchefs auf der Fachtagung intensiv über eine Vielzahl von Themen aus der maritimen Wirtschaft. Zudem gab es mehrere Vorträge. In Hamburg trugen eigens eingeladene Fachleute beispielsweise zu aktuellen Entwicklungen beim Einsatz von LNG in der Schifffahrt, zu den besonderen Herausforderungen der Festmacherbetriebe in den Häfen angesichts der gerade im Containersegment noch größer werdenden Box-Carrier oder die Folgen des Klimawandels für die Häfen.
Dass wettertechnisch im Wortsinne einiges auf die Umschlagplätze zukommt, zeigten auch in Deutschland die in relativ kurzer Zeit im Oktober aufeinander folgenden schweren Stürme „Xavier“ oder „Herwart“. Umgekippte Krane in Hamburg oder auch in Wilhelmshaven sind Beispiele dafür, was Windkraft bewirken kann. Pollmann weiter: „Auch die Havarie des Bulkers ,Glory Amsterdam‘ wurde auf unserer Tagung behandelt.“ Hier warte man mit großer Spannung auf das Ergebnis der jetzt angelaufenen Untersuchung zum Havarieablauf. Soviel deute sich jedoch schon jetzt an: Es habe offenkundig erhebliche Kommunikationsdefizite seitens der chinesischen Schiffsbesatzung gegeben. Dadurch dürfte die international bereits laufende Diskussion zur Qualität der Englisch-Sprachfertigkeit bei den Schiffsbesatzungen noch weiter beflügelt werden.
Was den Austausch im Kreis der VDHK-Kollegen so wertvoll für alle Beteiligten mache, sei „dass wir hier gemeinsam auf Augenhöhe miteinander diskutieren. Es ist in dieser Rund keinesfalls so, dass hier nur Hamburg oder Bremen vorträgt und die anderen hören dann zu“, stellte Pollmann klar.
Ein wichtiger Sonderaspekt beim Thema „Schiffsgrößenentwicklung“ ist die richtige Bemessung der für das sichere Festmachen eines Seeschiffs unverzichtbaren Poller. Hamburgs Chef-Nautiker: „Wir werden uns jetzt genau angucken, gemeinsam mit den Terminalbetreibern, ob die vorhandenen Poller auf den Anlagen ausreichen oder ob sie nachgerüstet werden, weil gerade die Mega-Boxer heute mindestens mit acht Leinen belegt werden müssen.“ Künftig dürften es wohl bis zu zehn Leinen sein, damit die Großfrachter sich auch bei besonders hohem Winddruck nicht losreißen können.
Ein weiteres, ausführlich behandeltes Gesprächsthema war die Nutzung von LNG, ergänzte Gisbert Ruhnke, Hafenkapitän in Rostock seit 2008 und im Ehrenamt zugleich Chef des VDHK. Er hat diese Wahrnehmung: „LNG setzt sich langsam als alternativer Treibstoff durch. Impulsgeber sind hier vor allem die Kreuzfahrtreedereien wie zum Beispiel die Rostocker AIDACruises.“
Doch auch in der Frachtschifffahrt gäbe es entsprechende Initiativen. Ruhnke: „Wir bereiten uns in Rostock auf das LNG-Zeitalter vor. Aktuell haben wir zwei norwegische Schiffe, die mit Flüssigerdgas fahren und regelmäßig in Rostock festmachen. Ich rechne bei LNG für unseren Hafen mit einem echten Durchbruch im Zeitraum 2019/2020.“ Das entsprechende Regelwerk zum sicheren Umgang mit Flüssigerdgas, etwa beim Bunkern, sei in Rostock bereits vorhanden. Zudem plane der Hafen die Einrichtung einer stationären LNG-Bunkerstation, die in Abhängigkeit zur Marktnachfrage modular weiterentwickelt werden soll. LNG-Nachschub will Rostock künftig entweder aus dem polnischen Hafen Swinemünde oder aus dem litauischen Memel (Klaipeda) beziehen, wo LNG-Terminals bereits verfügbar sind. Die Anlieferung werde dann per LNG-Tankschiff erfolgen.
Der VDHK (German Harbour Masters’ Association) wurde 1996 gegründet. Ihm gehören all jene deutschen Häfen an, die regelmäßig Seeschiffe ab 500 BRZ abfertigen. Das Mitgliedsspektrum reicht damit von Emden im Westen, über Flensburg im Norden und Wolgast im Osten bis ins Binnenland mit Duisburg. Dieser Hafen fertigt seit Jahrzehnten regelmäßig rheingängige Fluss-Seeschiffe ab.
Dem Vorstand gehören neben Gisbert Ruhnke noch Andreas Mai (Bremen) als Stellvertreter sowie Jörg Pollmann (Hamburg) als Schriftführer an. Schatzmeister ist Sassnitz Hafenkapitän Ronald Damp.
Mit Birgit Brückner gibt es bislang eine Hafenkapitän in dem Interessenverband. Der VDHK ist zudem Mitglied in der International Harbour Masters Association (IHMA), die ihren Sitz im südenglischen Lancing hat. Die IHMA veranstaltet ihrerseits regelmäßig Fachkongresse, in deren Verlauf der internationale Erfahrungsaustuasch im Fokus steht. EHA
