Große Suchaktion in der Nordsee

Mit Spezialtechnik ausgerüstet und inzwischen beim Container-Aufspüren im Einsatz: die „Wega“ des BSH, Foto: Hasenpusch
Die italienische Reederei MSC wird sich im großen Umfang an der Schadensbegrenzung in der Nordsee als Folge der Havarie des Großcontainerschiffs „MSC Zoe“ (IMO 9703318) beteiligen. Und: Das BSH in Hamburg detachierte auf Ersuchen des Havariekommandos (HK) in Cuxhaven am Freitag das Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Wega“ in die Nordsee. Die „Wega“ hatte Rufbereitschaft und befand sich bereits in Bremerhaven, teilte das BSH dem THB auf Anfrage mit.
MSC, die weltweite Nummer zwei unter den Container-Reedereien, kündigte am Freitag zudem eine denkbar enge Zusammenarbeit mit allen für die Bearbeitung des Vorfalls relevanten Behörden in den Niederlanden und in Deutschland an. Für die Bundesrepublik wird dabei ausdrücklich das Havariekommando genannt. Das Schifffahrtsunternehmen hat nach eigener Darstellung inzwischen verschiedene Bergungsunternehmen damit beauftragt, sowohl bei der Suche der über Bord gegangenen Container mit Spezialequipment zu helfen als auch bei der Beseitigung des bislang bereits an verschiedene Strände auf den westfriesischen und inzwischen auch ostfriesischen Inseln angespülten umfangreichen Treibgutes aktiv einzugreifen. Beim Auffinden der nach Experteneinschätzung bereits im großen Umfang gesunkenen Container sollen vor allem Schiffe zum Einsatz kommen, die mit entsprechender Sonartechnik ausgestattet sind.
Darüber hinaus hat die Reederei in enger Abstimmung mit ihren Versicherern ein Spezialunternehmen damit beauftragt, den gesamten Ablauf rund um die groß angelegte Reinigungsaktion zu beaufsichtigen und die verschiedenen Maßnahmen zu koordinieren.
Die Reederei lehnt es derzeit nach eigener Darstellung ab, in der breiten Öffentlichkeit präzise Angaben über den genauen Inhalt der verschiedenen als verlustig gemeldeten Container zu veröffentlichen. Denn dabei handle es sich ja um „oftmals vertrauliche Informationen“, die im Rahmen des Transportauftrages nur zwischen dem Verlader und der Reederei ausgetauscht werden. Diese Angaben gelte es zu schützen, so MSC.
Zudem weist die Reederei ergänzend darauf hin, dass ihr bislang noch keine Berichte dazu vorlägen, dass unbeteiligte Dritte durch das unbeabsichtigte Berühren angespülten Treibgutes verletzt worden seien. MSC warnt in dem Zusammenhang davor, wie schon zuvor verschiedene Behörden in den beiden hauptbetroffenen Ländern, sich angespülten Ladungsresten zu nähern. Unabhängig von der seitens der Reederei angekündigten Maßnahmen fordern verschiedene Politiker und Fachverbände, allen voran Umweltschutzorganisationen, konkrete Konsequenzen aus diesem in der Schifffahrt besonderen Großschadensereignis.
So fordert beispielsweise Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), jene Container mit Spezial-Peilsendern auszustatten, die besonders sensible Waren beinhalten. So könnten diese Boxen bei einem Verlust besser geortet werden.
Angesichts der großen Anzahl über Bord gerissener Container in einem der am dichtesten befahrenen Seegebiete der Welt erkennt die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) akuten Handlungsbedarf. Sie fordert daher „den Einsatz der Deutschen und Niederländischen Marine zum Auffinden der treibenden Boxen in der Nordsee“. Die Marinen beider Länder verfügten nämlich über Minenjagdboote, die mit besonderer Sonartechnik ideal zum Aufspüren von Unterwassergegenständen ausgestattet und deren Besatzungen entsprechend ausgebildet seien. Denn bei den über Bord gegangenen Containern gehe es nicht nur darum, „ökologische Schäden zu vermeiden“. Hier seien auch „die Wirtschaftsinteressen der trilateralen Wattenmeeranrainerstaaten betroffen“. Der SDN wörtlich: „Eine Kollision mit einem anderen Schiff durch einen unter Wasser treibenden Container ist problematisch, genauso wie die Kollision mit einem Fundament einer Offshore-Windkraftanlage in der Nordsee.“ Auch gelte es die sichere Zufahrt zu den Nordseehäfen Deutschlands zu gewährleisten. Ebenso seien Fischerei und Tourismus betroffen, da auch Container mit gefährlicher Ladung verlustig sind und sogenannte „Netzhacker“ Fischereiboote in große Schwierigkeiten bringen können. Dirk Sander, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Kutter- und Küstenfischer, sagte zum Radiosender „NDR 1 Niedersachsen“, dass die Container „am gefährlichsten für uns sind, wenn sie am Meeresboden liegen, weil wir mit Grundschleppnetzen arbeiten“. EHA
