Lieferketten in Gefahr

Der Verband Straßengüterverkehr und Logistik Hamburg (VSH) hätte sich keinen besseren Ort für seine diesjährige Mitgliederversammlung aussuchen können.

Passend zum Top-Thema „Cybercrime – Wo lauern die Gefahren für Unternehmen?“ der Veranstaltung trafen sich VSH-Mitglieder am Mittwoch im Hause der Kravag-Versicherung, die wie mittlerweile viele andere Anbieter auch eine spezielle Versicherungslösung für Cyber-Risiken im Portfolio hat.

In seinem Gastvortrag zur Internetkriminalität berichtete Andreas Dondera, Leiter der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime im LKA Hamburg, über eine Vielzahl digitaler Betrugsdelikte, die inzwischen nahezu so oft begangen würden wie Fahrraddiebstähle in einer Großstadt. Dazu zählten etwa fingierte E-Mails im Namen der Geschäftsführung („CEO-Fraud“), der Versand von Verschlüsselungstrojanern oder das Hacken von Internetseiten. „Wir werden dem nicht Herr werden“, konstatierte Dondera gleich zu Beginn seiner Präsentation. Da das Risiko, entdeckt zu werden, gering und die Aussicht auf Gewinne hoch sei, gebe es immer mehr Täter – und dadurch eine immer größere Gefahr für Unternehmen, Opfer einer Cyber-Attacke zu werden. Die Polizei setze daher vor allem auf Präventionsarbeit.

„Lieferketten sind ein hochsensibler Bereich“, sagte Dondera und nannte das Stichwort Industrie 4.0. „Der technologische Fortschritt geht massiv voran: Alles, was man vernetzen kann, wird miteinander vernetzt.“ Der IT-Experte berichtete von einem Fall, in dem ein Totalausfall der Produktion für einen Schaden in sechsstelliger Höhe gesorgt hatte – täglich. Im Sommer 2017 war unter anderem die dänische Reederei Maersk Ziel eines globalen Cyber-Angriffs, der dem Konzern einen Schaden von rund 300 Millionen US-Dollar bescherte.

In Sachen IT-Sicherheit dürfe nicht länger „nach dem Prinzip Hoffnung“ verfahren werden. Vielmehr habe die Geschäftsführung jedes Unternehmens die Aufgabe, alle Mitarbeiter entsprechend zu sensibilisieren und somit mögliches Fehlverhalten am Arbeitsplatz zu verhindern. „Mitarbeiter sind der wichtigste Teil der Firewall“, lautete Donderas Fazit vor den VSH-Mitgliedern.

Auch auf dem Verbandstag des VDKS, dem Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere, stieß das mit der zunehmenden Digitalisierung der Schifffahrt verbundene Risiko der Cyber-Kriminalität am Montag auf besonderes Interesse. In seinem umfassenden Vortrag über IT-Sicherheit an Bord beleuchtete Gastredner Dipl.-Ing. Gerald Rynkowski den gegenwärtigen Stand, neue Regularien sowie künftige Herausforderungen und zeigte mögliche Wege zur Gefahrenabwehr auf. Die von ihm gegründete Veinland GmbH, die sich mit der Entwicklung von Hard- und Software beschäftigt, beliefert nach eigenen Angaben nicht nur Brückenausrüster und Servicefirmen, sondern auch nationale und internationale Reedereien.

Rynkowski verwies in aller Deutlichkeit auf die juristischen Aspekte und Betreiberverpflichtungen, darunter der Aufbau von Cyber-Risk-Managementplänen, die Entwicklung von geeigneten Maßnahmen zur Bewertung und Gefahrenabwehr, die Überwachung und Verbesserung von Netzwerken sowie die konkrete Meldepflicht bei Cyber-Angriffen. So wird es ab dem Jahr 2021 verbindlich, diese Maßnahmen im Rahmen des ISM-Codes nachzuweisen. bek/JEME

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