Mega-Schäden mit XXL-Frachtern sind real

Schadensszenarien mit Kos ten von einer Milliarde US-Dollar und mehr sind in der globalen Schifffahrt keine abstrakte Fiktion.

Angesichts der großen Anzahl bereits in Fahrt befindlicher Mega-Container-Carrier sowie einer entsprechende hohen Zahl bereits bestellter und in den kommenden zwei Jahren abzuliefernder Carrier müsse sich die maritime Branche auf entsprechende Großschadensereignisse einstellen. Zu dieser Einschätzung kommt die Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) in ihrer aktuellen Schifffahrts- und Sicherheitsstudie mit dem Titel „Safety and Shipping Review 2016“. Die Experten verweisen auf zwei Vorfälle mit Großcontainerschiffen aus der jüngeren Vergangenheit. Dazu gehört auch die als Folge eines technischen Ausfalls ausgelöste Grundberührung des 19.000-TEU-Frachters „CSCL Indian Ocean“ in der Elbe im Februar (THB 5. Februar 2016 ). Für die Fachleute nähren Vorfälle wie dieser Bedenken hinsichtlich der Machbarkeit von Bergungen: „Denn spezialisierte Bergungsunternehmen sind oft nicht so schnell und einfach verfügbar, wie es notwendig wäre, da sie ihre Geräte weltweit einsetzen müssen“, stellen die Versicherungs experten weiter fest.

Was das Thema Schiffssicherheit als Ganzes betrifft, kommen die Autoren der Studie zu der Bewertung, dass „2015 insgesamt das sicherste Jahr für die Schifffahrt in den zurückliegenden zehn Jahren“ war. Weltweit kam es im Berichtsjahr zu 85 Totalverlusten mit Schiffen über 100 BRZ. Damit lag die Anzahl der Totalschäden um drei Prozent unter dem Wert von 2014 (88 Totalschäden).

Im abgelaufenen Jahr wurden weltweit insgesamt 2687 Schiffsunglücke gemeldet –einschließlich der Totalverluste. Dies entspricht einem Rückgang von vier Prozent. Die Autoren dazu: „Sie ereignen sich an allen Tagen der Woche, doch besonders häufig an Donnerstagen, während Samstage offenbar am wenigsten unglücksträchtig sind.“ Und: Das östliche Mittelmeer und das Schwarze Meer bilden mit 484 Vorfällen die aktuelle Unfall-Hotspots.

Die Zahl der Großschäden in der Schifffahrt ging seit 2006 um 45 Prozent zurück. „Dies ist auf ein verbessertes Sicherheitsniveau und die Selbstregulierung der Branche zurückzuführen.“ Es bestehen nach den Recherchen der Experten jedoch weiterhin Unterschiede nach Region und Schiffstyp.

Danach ereigneten sich 2015 mehr als ein Viertel aller Schiffsverluste in den Meeren Südchinas, Indochinas, Indonesiens und der Philippinen. Insgesamt 22 Schiffe gingen in diesem großen Seeraum verloren. Wichtig: Im Gegensatz zu anderen Regionen stieg in diesen Gewässern die Zahl der Schäden im Vergleich zum Vorjahr an.

Auf Fracht- und Fischereischiffe entfielen über 60 Prozent der weltweiten Schiffsverluste, wobei Schäden bei Frachtschiffen zum ersten Mal seit drei Jahren wieder zugenommen haben, so die Autoren. „Drei Viertel der Totalschäden sind auf Schiffsuntergang zurückzuführen, meist in Folge von Unwettern.“

Während der langfristige Abwärtstrend bei den Schiffsverlusten aus Sicht der Experten „ermutigend ist, drohen andere gegenläufige Entwicklungen das erreichte Sicherheitsniveau zu gefährden“. Dazu gehören nach Einschätzung der Fachleute „die schwache Konjunktur, die niedrigen Rohstoffpreise und ein Überangebot an Schiffen“. Diese Faktoren übten in der Summe „einen erheblichen Druck auf die Kosten aus und erhöhen somit die Sicherheitsbedenken“. Die AGCS beobachtete 2015 einen Anstieg der sogenannten Frequenzschäden, der sich teilweise auf das aktuelle Umfeld in der Schifffahrt zurückführen lässt. „Die schwache wirtschaftliche Entwicklung weltweit geht auch an der Schifffahrt nicht vorbei – und das wirkt sich negativ auf die Sicherheit aus“, stellt Kapitän Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting, AGCS, fest. „Viele Sparten, wie Fracht, Container und Offshore, sind bereits gefährdet, und jede weitere Verschlechterung der Sicherheitsstandards gäbe Anlass zur Sorge.“ AGCS-Experten warnen vor einer „aufschiebenden Sicherheitsmentalität, die notwendige Investitionen auf vermeintlich bessere Zeiten vertagt“. EHA

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