Offshore-Versorger als Flüchtlingsretter

Das ist die Wirklichkeit auf dem Mittelmeer: auf der einen Seite die Überführungsfahrt des Luxusliners „AIDAperla“ von Asien nach Neapel, auf der anderen Seite ungebrochene Flüchtlingsströme.

Nach Angaben der italienischen Küstenwache waren Ende vergangener Woche fast 2200 Menschen bei zwölf verschiedenen Einsätzen innerhalb von 24 Stunden von Einheiten der Küstenwache, der italienischen Marine sowie der an der EU-Operation EUNAVFOR MED beteiligten Marineschiffe aus überfüllten Schlauchbooten geborgen und in Sicherheit gebracht worden.

Doch auch normale Handelsschiffe nahmen Menschen auf, wie das Beispiel des italienischen Offshore Supply Vessel (OSV) „VOS Prudence“ (IMO 9664213) zeigt. Das 2013 gebaute und derzeit auch für Rettungseinsätze im Bereich der Hauptflüchtlingsrouten operierende Spezialschiff traf praktisch zeitgleich mit dem neuen Schiff der Rostocker Kreuzfahrtreederei in Nea pel ein. Nach THB-Informationen hatte die „VOS Prudence“ seit dem 24. Mai vor der libyschen Küste aus mehreren Booten über 1440 Menschen gerettet, darunter 140 Frauen und 45 Kinder.

Da die Häfen in Sizilien wegen des G7-Gipfels, der am vergangenen Sonnabend endete, für die Annahme von Flüchtlingen geschlossen waren, musste das 75 Meter lange und 17 Meter breite OSV in Abstimmung mit den italienischen Behörden Kurs auf Neapel nehmen. Vor Sizilien hatte das rund 3300 Tonnen tragende Schiff noch Lebensmittel und Hilfsgüter erhalten, damit die an Bord befindlichen Menschen grundversorgt werden konnten. In Neapel wurden die Geretteten am Sonntag durch italienische Behörden in Empfang genommen.

Die Deutsche Marine wirkt im Rahmen der Operation „Sophia“ derzeit mit dem Tender „Rhein“ aus Kiel mit. Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche formell den Weg für eine Verlängerung des Einsatzmandates bis Juni 2018 frei gemacht. Allein die Boote und Schiffe der Deutschen Marine haben seit Mai 2015 bis heute mehr als 20.000 Menschen vor der afrikanischen Küste aus seeuntüchtigen Booten gerettet und nach Italien gebracht. Die „VOS Prudence“ wurde 2013 in China auf der Werft Fujian South East Ship yard für die niederländischen Reederei Vroon Offsore Services gebaut. Das im Besonderen für die Versorgung von Bohrinseln konzipierte Schiff fährt aktuell in Charter der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Die Schifffahrts-Gruppe Vroon mit Sitz im niederländischen Breda tritt sowohl als Management-Gesellschaft als auch als Reederei auf. Das 1890 gegründete und derzeit in der vierten Generation geführte Familienunternehmen disponiert aktuell über rund 200 Schiffe, wobei das Spektrum von Containerfrachtern über Produktentanker und Car-Carrier bis hin zu Spezialschiffen für die Offshore-Industrie reicht. Der Mitarbeiterstamm umfasst derzeit nach Reedereiangaben gut 4000 Beschäftigte weltweit.

Die „AIDAperla“ ist das Schwesterschiff der 2016 in Dienst gestellten „AIDAprima“ und wurde ebenfalls auf der japanischen Großwerft Mitsubishi gebaut. Das Gesamtprojekt entwickelte sich für die Japaner als ein finanzielles Desaster. In norddeutschen Schiffbaukreisen wird der Verlust zulasten der Bauwerft auf rund 2,4 Milliarden US-Dollar für beide Luxusliner beziffert. Während die „AIDAprima“ derzeit noch innerhalb Nordwesteuropas im Rahmen einer Sieben-Tage-Reise verkehrt, wird ihre baugleiche Schwester im Mittelmeer fahren.

Bei ihrer Ankunft in Neapel vollzogen Felix Eichhorn, Präsident von AIDA Cruises, und Kapitän Boris Becker das für Erstanläufe typische Zeremoniell: den Austausch von kleinen Gastgeschenken und Erinnerungsplaketten. Bereits heute erreicht das rund 300 Meter lange und 37,6 Meter breite Luxusschiff den Hafen von Genua.

Am 1. Juni 2017 wird der Cruise-Liner erstmals in Palma de Mallorca, einem seiner künftigen Heimathäfen, festmachen. Ab dem 1. Juli 2017 steuert das Schiff dann von Palma de Mallorca aus verschiedene Mittelmeerhäfen im Rahmen einer siebentägigen Reise an. Ab März 2018 wird dann Hamburg Start- und Zielhafen der „AIDAperla“ sein, die dann siebentägige Rundreisen durchführt. Dabei werden die Häfen Southampton, Le Havre, Zeebrugge, Rotterdam und Hamburg angesteuert. In allen Häfen erfolgt eine Versorgung der Hilfsmaschinen mit umweltfreundlichem LNG. EHA/FB/dpa

Teilen
Drucken

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben