Segeltouranbieter verschärfen Kontrollen
Der Tod von drei Deutschen durch einen Mastbruch auf einem niederländischen Segelschiff im Jahr 2016 hat Konsequenzen.
Die Anbieter von Segeltouren in den Niederlanden haben seither die Sicherheitskontrollen auf ihren Schiffen verschärft, Masten und andere wichtige Schiffsteile seien eingehend geprüft worden, sagte jetzt der Direktor des Verbandes der kommerziellen Charterfahrten, Paul van Ommen.
Ein Untersuchungsbericht zu dem Unglück im August 2016 (thb.info 22. August 2017) liegt nun vor. Drei deutsche Männer waren bei Harlingen im Nordwesten der Niederlande getötet worden, nachdem der Mast des fast 120 Jahre alten Seglers „Amicitia“ plötzlich abgebrochen war. Der Holzmast der „Amicitia“ war im Bereich der Bruchstelle zu fast drei Vierteln durch Holzfäule beschädigt. Aufgrund der Fäulnis war der Mast in diesem Bereich so stark geschwächt, dass er ohne Vorwarnung und zusammen mit anderen Teilen auf das Vordeck fiel. Die schwere Holzfäule konnte entstehen, weil Wasser in den Mast eindrang, aber nicht mehr abfließen konnte, so dass es zur Durchfeuchtung und anschließenden Fäulnis kam. Dieser Prozess begann laut Bericht mindestens vier Jahre vor dem Unglück.
Experten haben auch Mängel bei der Wartung der historischen Segler festgestellt. Der Mast war eineinhalb Jahre vor dem Unglück instand gesetzt worden. Obwohl der Mast da bereits „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Holzfäule befallen war, wurden die Anzeichen nicht richtig erkannt“, heißt es im Bericht. Zwar seinen schadhafte Stellen festgestellt und erneut instand gesetzt worden. Nach den Ursachen für das Auftreten der Schäden sei jedoch nicht gesucht worden.
„Wir nehmen diese Kritik sehr ernst“, so van Ommen. Gemeinsam mit den Behörden würden strenge Normen für Wartung, Ausbildung und Kontrolle erarbeitet. Die historischen Schiffe sind auch bei deutschen Gruppen für Fahrten auf dem Ijsselmeer oder dem Wattenmeer beliebt.
Der Untersuchungsrat für Sicherheitsfragen hatte gewarnt, dass die Sicherheit nicht gewährleistet sei, da es eine gefährliche Wissenslücke bei der Wartung der historischen Schiffe gebe. Auch die Kontrolle durch die Behörden war nach dem Bericht unzureichend.
Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) war frühzeitig über den Unfall unterrichtet worden und hatte im vergangenen Jahr Sicherheitsempfehlungen zu Holzmasten an deutschen Seeschiffen und an Schiffen mit Holzmasten, die in deutschen Hohheitsgewässern fahren, herausgegeben (thb.info 21. September 2017). Schließlich seien Probleme mit Holzmasten „nicht nur auf Fahrzeuge beschränkt, die auf Binnengewässern fahren, sondern betreffen eher auch noch die seegehenden Schiffe, da diese Fahrzeuge noch den Belastungen aus dem Seegang ausgesetzt sind“, stellt die BSU fest. In Deutschland untersuche keine Behörde Schiffsunfälle mit ausschließlicher Beteiligung von Binnenschiffen. Deshalb schätze es die BSU sehr, dass der niederländische Onderzoeksraad voor Veiligheid den Unfall untersucht und analysiert habe. Das geht aus der aktuellen Stellungnahme der BSU zum Unfall hervor. fab
