Vor Feuer an Bord schützen

Die Schiffe der „MSC Gülsün“-Klasse, hier die „MSC Samar“, setzen weltweit erstmals Feuerlöschmonitore an Deck ein, die eine Ausbreitung des Feuers durch Abkühlung verlangsamen oder stoppen sollen, Foto: MSC

Sehr schwerer Seeunfall: Am 14. Juli 2012 brach auf der „MSC Flaminia“ ein Feuer aus. Es kam zu mehreren Explosionen an Bord, Archivfoto: NSB
Die Klassifikationsgesellschaft DNV GL hat eine neue Notation zur Reduzierung von Brandgefahren an Bord von Containerschiffen herausgegeben. Zu den ersten entsprechend klassifizierten Einheiten zählen die Containerschiffe der „MSC Gülsün“-Klasse der Reederei MSC. Mit einer Kapazität von 23.000 TEU zählen sie zu den weltweit größten Boxcarriern.
Wie DNV GL mitteilt, wurde die neue Notation ausschließlich für Containerschiffe konzipiert. Über die derzeitigen UN-Konventionen zur Schiffssicherheit (Solas) hinaus soll sie ein erhöhtes Gefahrenbewusstsein erzeugen und eine bessere Erkennung und Bekämpfung von Containerbränden ermöglichen. Die Notation ist modular aufgebaut und gilt sowohl für Neubauten als auch für Schiffe, die sich bereits in Fahrt befinden.
Die neue Notation wurde in Zusammenarbeit zwischen der Klassifikationsgesellschaft und MSC entwickelt und getestet. Nach einem gemeinsamen Workshop arbeitete die Reederei an der Entwicklung von betrieblichen und technologischen Maßnahmen zur Minderung der Brandgefahr an Bord. Dazu gehört der nach DNV-GL-Angaben weltweit erste Einsatz von Feuerlöschmonitoren an Deck mit einer Reichweite von mehr als 100 Metern zur Verlangsamung und Verhinderung der Brandausbreitung durch Kühlung. Darüber hinaus wurde auf der „MSC Febe“, einem weiteren Schiff der „MSC Gülsün“-Klasse, ein Wärmekamerasystem installiert, das mögliche Unregelmäßigkeiten der Boxen an Deck verfolgt und so die Besatzung vor möglichen Bränden warnen soll.
„Containerschiffe sind in den letzten Jahren viel größer geworden, und das Volumen der an Deck beförderten Ladung ist exponentiell gestiegen. Containerbrände, insbesondere bei den jetzigen Ladungskapazitäten, können ein erhebliches Risiko für die Sicherheit der Besatzung, der Ladung und des Schiffes darstellen“, begründet Giuseppe Gargiulo, Leiter der MSC-Neubauabteilung, das Brandschutzengagement seiner Reederei. „Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, ein neues Löschsystem mit Hochleistungspumpen zu installieren, um die Sicherheit der Seeleute an Bord weiter zu erhöhen und die Ladung auf dem gesamten Deck des Schiffes zu schützen.“
Der Feuerschutz an Bord großer Containerschiffe ist ein im wahrsten Sinne des Wortes brandaktuelles Thema: Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es allein in den Jahren 2000 bis 2015 mehr als 50 Brände auf Containerschiffen, drei Viertel davon waren Großbrände. Ein besserer Brandschutz der Boxcarrier ist daher dringend geboten: Erforderlich seien Anlagen, die auch gerade erst entstehende Brände melden und den automatisierten Einsatz von Wasser zum Löschen gewährleisten. Dies müsse funktionieren, ohne dass sich Menschen in die Gefahrenzone begeben müssen, hieß es bereits Anfang 2019 in einer Empfehlung des Deutschen Verkehrsgerichtstags (VGT) an den Gesetzgeber. Mit der jetzt von DNV GL und MSC vorgestellten Lösung dürfte der Brandschutz einen ersten erfolgversprechenden Schritt in die richtige Richtung gemacht haben. bo