„Atair“-Ersatz ist Meilenstein für die Umwelt

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) steht an der Schwelle zur Runderneuerung seiner Flotte von Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffen. Die vor kurzem besiegelte Bestellung eines Ersatzbaus für die 30 Jahre alte „Atair“ (Foto) leitet dabei diesen Prozess ein.

Das betonte Monika Breuch-Moritz, Präsidentin der in Hamburg und Rostock beheimateten maritimen Behörde, am Donnerstag in der Elbestadt bei der Vorlage der Jahresbilanz 2016. „Ich habe noch niemals zuvor eine Unterschrift für ein so teures Projekt geleistet“, ergänzte Breuch-Moritz unter Anspielung auf die in Berlin vollzogene Vertragsunterzeichnung. Rund 114 Millionen Euro kostet der auf der Fassmer-Werft entstehende Neubau, der nach Überzeugung der BSH-Chefin auch im Hinblick auf den damit erzielten Umweltschutz einen „schiffbautechnischen Meilenstein“ darstellt. Denn erstmals werde ein Schiff des BSH mit Flüssigerdgas angetrieben. Dessen Flotte besteht derzeit aus fünf Einheiten. Breuch-Moritz: „Wir wollen damit auch als maritime Behörde mit gutem Beispiel vorangehen.“ Mit dem Neubau bekommt das BSH zudem ein Schiff, das es der Behörde ermög licht, auch bei der maritimen Forschung im Hochseebereich wieder in einer anderen Liga mitzuspielen: Einmal in Dienst gestellt, wird es nicht mehr nötig sein, für große Törns, wie etwa die einmal im Jahr stattfindende mehrwöchige Bestandsaufnahme in der Nordsee, teure und zudem knappe Spezialtonnage im Markt einzuchartern. Aktuell greift das BSH auf das sehr gute, aber auch anderweitig gebundene irische Forschungsschiff „Celtic Explorer“ (kleines Bild) zurück, das ebenfalls am Donnerstag von Hamburg zu einer knapp zweiwöchigen Forschungsreise aufbrach. Zudem werde mit der neuen „Atair“ auch die Containerisierung in die BSH-Flotte Einzug halten, weil Spezialequipment modalartig in Containern mit an Bord genommen werden könne.

Einen genauen Fahrplan für die Flottenverjüngung gebe es derzeit noch nicht. Doch stünden hier entsprechende Entscheidungen bis zum Ende dieser Dekade an. Damit steht zum Beispiel auch fest, dass es für die anderen Schiffe keine Nachrüs tung mit LNG-Antrieben geben wird – zum einen aufgrund des Alters, zum anderen auch deshalb, weil die Schiffe dafür zu klein sind.

Breuch-Moritz wies darauf hin, dass in den kommenden Jahren wichtige Maßnahmen zum Schutz der Meere und auch des Klimas greifen werden. So wertet es die BSH-Leiterin als „grandiosen Erfolg“, dass nunmehr ab 2020 weltweit die Schwefelbelastung bei nur noch 0,5 Prozent statt der heute üblichen 3,5 Prozent betragen wird. Damit werde ein weiterer Schritt in Richtung schwerölfreie Epoche vollzogen.

Und auch das dient der Umwelt: Das internationale Ballastwasserübereinkommen wird nach der inzwischen erfolgen Ratifizierung durch Finnland und Panama nun am 8. September dieses Jahres in Kraft treten. „Schiffe müssen dann Standards einhalten, die verhindern, dass mit dem Ballastwasser fremde und schädliche Organismen in Gewässer verschleppt werden“, sagte Breuch-Moritz. Betroffen seien bis zu 40.000 Schiffe, die bis dahin mit entsprechender Ballastwasser-Bearbeitungstechnik nach- oder ausgerüstet werden müssten.

Ein großes Thema bleibt für das BSH, das an seinen beiden Standorten aktuell rund 850 Mitarbeiter beschäftigt, die Erforschung des Meeresklimas. Nach Erkenntnissen des BSH setzt sich die Klimaerwärmung „unvermindert fort“. So erreichte die durchschnittliche Wassertemperatur der Nordsee 2016 mit elf Grad den zweithöchsten Wert seit 1969. EHA

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