Bald kann „Otto Lauffer“ Dampf machen


Und wieder ein Etappenziel erreicht: Die ehemalige Hamburger, dampfgetriebene Polizeibarkasse „Otto Lauffer“ hat seit Freitag vergangener Woche wieder einen neuen Kessel.
Der zuvor bei der Husumer Spezialfirma „Wulf & Umag Energy Solutions GmbH“ auf der Grundlage des Originalvorbilds aus dem Jahr 1928 nachgebaute Kessel wurde jetzt bei der Hitzler-Werft in Lauenburg in den Barkassen-Oldie eingebaut. Nach seiner Ausmusterung aus dem aktiven Polizeidienst wurde das Schiff dem Museum für Hamburgische Geschichte übergeben. Bei der Inbetriebnahme als Museumsschiff erhielt die Barkasse zu Ehren des ersten Direktors des Museums den Namen „Otto Lauffer“. Nach einer ersten aufwendigen Restaurierung Anfang der 1980er Jahre und vielen Jahren Fahrbetrieb als seinerzeit „bestrestauriertes Dampfschiff Deutschlands“, erlosch 2003 die Betriebserlaubnis des Dampfkessels. Zwei Jahre später übereignete das Museum das nicht mehr fahrbereite Schiff dem 1977 ins Leben gerufenen Museumshafen Oevelgönne e.V.. Der Museumshafen begann sehr frühzeitig damit, die Barkasse umfassend zu sanieren, und setzte sich zudem mit Erfolg dafür ein, dass das wertvolle Fahrzeug 2010 in die Denkmalliste der Stadt Hamburg aufgenommen wurde. Das in dieser Form nach Aussagen der Museumshafen Oevelgönne e.V. „bundesweit“ einzigartige Fahrzeug befindet sich seit Herbst 2016 in der Lauenburger Traditionswerft, wo es weiter technisch aufbereitet wird und in dem Zusammenhang auch den neuen Kessel bekommt. Wie die Barkasse, so entstand auch der alte Kessel auf der ehemaligen Hamburger Stülcken -Werft. Sie prägte von ihrer Gründung 1846 bis zu ihrer Schließung in der zweiten Hälfte der 1960 Jahre das Hafen- und Stadtbild entscheidend mit. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Areal unter anderem das Gebäude-Ensemble für das Erfolgs-Musical „König der Löwen“.
Dass die „Otto Lauffer“ dank eines neuen Kessels in einigen Monaten wieder „Dampf auf“ machen kann, ist auch entsprechenden öffentlichen Fördermitteln zu verdanken, die Ende 2015 bereitgestellt wurden. Sie stammen zur Hälfte vom Bund aus dem „Sonderprogramm Denkmalschutz“, zur anderen Hälfte von der Wirtschaftsbehörde. Die beiden Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und Dr. Matthias Bartke hatten mit großem Einsatz für die Bereitstellung der Bundesmittel gekämpft. Der Einbau des Kessels auf der Hitzler-Werft wurde intensiv begleitet von Vereinsmitgliedern, Spendern, Handwerkern, Lieferanten und Projektunterstützern. Sie verfolgten den Einbau gespannt, aber auch besonders beglückt. Andreas Schildhauer, Vorsitzender des Museumshafens Oevelgönne, nutzte die Aktion zugleich, um für eine neue „Stammbesatzung“ zu werben, wenn die Barkasse voraussichtlich zum Ende des ersten Halbjahres wieder auf Fahrt geht: „Wir brauchen eine Gruppe von Jung und Alt, von Könnern und Lernenden, die sich des Schiffes annehmen, als wäre es ihr eigenes.“ Er sei froh, dass der Verein mit Michael Jahn aus dem Kreis seiner erfahrenen Mitglieder jetzt schon den Obmann für eine solche Gruppe gefunden hat.
Denn damit „Otto Lauffer“ wieder loslegen kann, gilt einmal mehr das alte Seemannsmotto: „All hands on deck.“ EHA
