Bayrischer Innovationsgeist

Siegerehrung in Rotterdam: 21 Jungunternehmer haben mit ihrem maritimen Geschäftsmodell überzeugt , Foto: Marc Nolte
Ein Jahr lang sind weltweit rund 1000 junge Unternehmen gescoutet worden, jetzt haben es 21 von ihnen in das Rotterdamer PortXL-Programm 2019 geschafft.
Die ausgewählten Start- und Scale-ups aus den Bereichen Hafen, Schifffahrt, Logistik und Energie werden nun einen intensiven Trainings- und Beratungsprozess durchlaufen, der ihr innovatives maritimes Geschäftsmodell marktfähig machen beziehungsweise ausbauen soll. Die Bandbreite reicht von Wasserstofftechnologien für umweltfreundliche Antriebe über WiFi-Lösungen für die autonome Schiffsnavigation in Häfen bis hin zum Einsatz digitaler Technologien zur Echtzeit-Überwachung von Containern und Flotten.
Unter den Teilnehmern des diesjährigen PortXL-Accelerator-Programms finden sich auch zwei Vertreter aus München: Das deutsch-amerikanische Scale-up Secure System setzt Sensoren ein, um Seecontainer „smart“ und somit jederzeit lokalisierbar zu machen. Von den rund 26 Millionen im internationalen Seeverkehr eingesetzten Boxen würden derzeit lediglich 250.000 aktiv getrackt – und das oftmals nur eingeschränkt. Mit der Lösung von Secure System können Container nicht nur aus der Ferne verfolgt, sondern auch überwacht und verwaltet werden. Dies beinhaltet Informationen zu Standort, Zustand und Integrität einzelner Boxen.
Keyou, ein Hightech-Unternehmen aus Unterschleißheim, entwickelt innovative Wasserstofftechnologien, mit deren Hilfe konventionelle Verbrennungsantriebe herstellerunabhängig zu emissionsfreien Motoren weiterentwickelt werden können. Auch wenn der aktuelle Fokus auf Nutzfahrzeugmotoren beispielsweise für 18-Tonnen-Lkw liegt, verzeichnet Keyou bereits eine steigende Nachfrage aus dem maritimen Sektor. Daher auch die Teilnahme an PortXL. „Nach den beiden erfolgreichen Pitch-Tagen in Rotterdam sind wir nun zurück in München und freuen uns sehr, dass wir für das Fast-Track-Programm von PortXL ausgewählt wurden“, sagte Jürgen Nadler, Chief Marketing Officer von Keyou. „Es wird sicherlich spannend, nun mit den großen Unternehmen der Branche gemeinsam jene Projekte und Applikationen zu definieren, die im Hafenumfeld mit unserer Technik als Erstes realisiert werden sollen.“
Dass eine Teilnahme am PortXL-Programm zum Geschäftserfolg von Start-ups beitragen kann, zeigt das niederländische Unternehmen 4Shipping. Die gleichnamige Online-Plattform für „Skipper“ (Schiffseigner) und „Shipper“ (Verlader) bringt Angebot und Nachfrage zusammen und soll für mehr Effizienz in Europas Binnenschifffahrt sorgen. 4Shipping hatte 2017 am Rotterdamer Accelerator-Programm teilgenommen und konnte sein Geschäft anschließend erfolgreich ausbauen: Gestartet mit 250 Schiffseignern und 25 Frachtangeboten, waren es nach PortXL bereits 600 Schiffseigner und 60 Frachtangebote. „Inzwischen verzeichnen wir 1000 Eigner und 110 Angebote auf unserer Plattform“, berichtete Sales Manager Pim Faasse. Im vergangenen Jahr habe sich das Frachtvolumen auf insgesamt zwei Millionen Tonnen belaufen. bek
PortXL ist ein Ökosystem aus Start-ups, Unternehmenspartnern und Mentoren, das 2015 in Rotterdam gegründet wurde. Ziel ist des Accelerator-Programms mit Fokus auf hafenbezogene Branchen ist es, den Innovationsgeist in der maritimen Industrie zu fördern. Seit Kurzem gibt es PortXL-Programme auch in Antwerpen und Singapur.
