Covid-19: „Erhebliche“ Umschlagverluste

25 Milliarden Euro – diesen Betrag hat die Europäische Union (EU) jetzt der Wirtschaft im Kampf gegen die Corona-Krise zugesagt. Die Finanzhilfen würden aus den Strukturfonds bereitgestellt, kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) an. Das Geld soll in das Gesundheitswesen und den Arbeitsmarkt fließen, aber auch kleinere und mittlere Betriebe unterstützen. „Wir werden alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, damit die Wirtschaft dem Sturm widersteht“, sagte die Unionspolitikerin. Ungeachtet dessen zeigten sich gestern wieder in den Häfen, in der Logistikbranche und bei den Reedereien die Auswirkungen der Krise.

Führende Ökonomen sprachen gestern von einem „Corona-Schock“ für die deutsche Wirtschaft. Viele Firmen drohten unverschuldet in eine Krise zu geraten. Die Gefahr: Auch die Verbraucher könnten zunehmend verunsichert sein und Anschaffungen auf die lange Bank schieben. Das könnte die „Abwärtsspirale“ verstärken, sagte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Clemens Fuest. Er forderte die Bundesregierung deshalb zu einem entschiedenen Handeln auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte gestern den Unternehmen die volle Unterstützung zu. Angesichts der ernsten Lage stellte sie eine Lockerung der Haushaltspolitik in Aussicht. Wenn nötig, so die Regierungschefin, müsse man vom Ziel der Schwarzen Null abweichen – also einem Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung. Bereits Anfang der Woche hatte die Koalition ein milliardenschweres Maßnahmenpaket geschnürt, in dem unter anderem der Bezug von Kurzarbeitergeld erleichtert worden war.

Insbesondere die maritime Wirtschaft steht unter Druck. Bei den Kreuzfahrtreedereien richtet man sich bereits auf die Folgen ein. So war der Tui-Konzern stark ins Jahr gestartet. „Der Erfolg schmilzt jetzt ab“, sagte gestern Tui-Chef Fritz Joussen. Derzeit sei die Zurückhaltung in der Kreuzfahrtsparte, mit der man „sehr viel Geld“ verdiene, bei vielen Kunden sehr hoch. Deshalb beurteile man die Lage inzwischen mit gemischten Gefühlen, so der Konzernleiter.

Bei Costa Crociere wurden die Reiserouten umgeplant. Seit der Ausweitung der Schutzzone in Italien auf das gesamte Land laufen die Schiffe der Reederei die Häfen dort nur noch an, um Gästen das Aussteigen und die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Ausflüge oder geplante Einschiffungen seien abgesagt. Den Gästen erstatte man den vollen Reisepreis.

Weltweit gelten auf den Schiffen mittlerweile strenge Hygiene- und Gesundheitsvorschriften. Gestern publizierte der internationale Reederverband ICS (International Chamber of Shipping) in London über die IMO aktualisierte Empfehlungen und Hinweise für die Reedereien. Das teilte die Berufsgenossenschaft Verkehr (BG Verkehr) dem THB mit. Man selbst werde ebenfalls das Informationsangebot auf der Website ausbauen. Dabei werde ein besonderer Fokus auf dem „Crew-Wechsel in Übersee“ für deutsches seefahrendes Personal ruhen, so die Berufsgenossenschaft.

Ungeachtet dessen kämpfen auch in den Häfen die Unternehmen nach Auskunft des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) bereits erheblich mit den Folgen der Epidemie. Es seien schon jetzt bei allen Hafenumschlagbetrieben „erhebliche Volumeneinbußen zu beobachten“, sagte ZDS-Hauptgeschäftsführer Daniel Hosseus dem THB. Diese ließen sich aber in der Gesamtschau noch nicht belastbar quantifizieren. Betroffen seien insbesondere Container, Stückgüter, der Autoumschlag und die Bereiche Fähre und auch Kreuzfahrt. Der Hafen-Fachmann weiter: „Was wir brauchen, sind klare und planbare Regelungen und Verfahren, insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr.“

Eine Unterstützung seitens der öffentlichen Hand würde zudem „einerseits bei der Sicherstellung strategischer Versorgungswege und andererseits bei der Abfederung der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus erforderlich sein“. Der ZDS-Topmann versicherte, dass man deswegen im ständigen Austausch mit den Behörden stehe und die Mitgliedsunternehmen laufend informiere.

Um indes die Lieferketten aufrechtzuerhalten, haben nun einige Bundesländer die Vorschriften für Spediteure angepasst. So soll das sehr scharfe Lkw-Sonntagsfahrverbot in Deutschland gelockert werden, zumindest zeitlich befristet. Verschiedene Länder kündigten dazu entsprechende Schritte an. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die Versorgung der Bevölkerung mit haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln ungestört läuft. Denn aufgrund des Coronavirus kauften die Menschen mehr haltbare Lebensmittel als gewöhnlich. „Damit die Regale jederzeit das volle Sortiment enthalten, müssen die Lieferketten entsprechend angepasst werden“, erklärte etwa Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU).

Indes hat die Transfrigo route Deutschland e.V. – in ihr sind die auf die Durchführung von temperaturgeführten Transporten ausgerichteten Speditionen vereint – ihre für den 25. und 26. März geplante Jahreshauptversammlung abgesagt. „Die Entscheidung ist nicht leichtgefallen“, teilte der Verband mit. Aber die Risiken seien zu hoch. Letztlich habe die Gesundheit der Teilnehmer, so hieß es weiter, „allerhöchste Priorität“.  EHA/jki

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