Der Mittelstand fällt durch das Raster

Wirtschaftsstandort Hamburg: Zur Leistungsstärke tragen Unternehmen aller Größen bei, Foto: Arndt
Seit einer Woche läuft die Auszahlung der Corona-Soforthilfen von Bund und Ländern, doch die Kritik an den Rettungspaketen für die deutsche Wirtschaft wächst. So beklagen relevante Wirtschaftsverbände eine Förderlücke insbesondere für mittelständische Unternehmen. Das zeigt eine Eilumfrage des THB beim Verband Deutscher Reeder (VDR), bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Vereinigung der Unternehmensverbände (UV Nord) und beim Unternehmensverband für Groß- und Außenhandel (AGA).
„Das viel zitierte Rückgrat unserer Wirtschaft wird nicht ausreichend gestützt“, kritisiert AGA-Präsident Hans Fabian Kruse. Gerade kapitalintensive Unternehmen würden bei der Förderung durch das Raster fallen, warnt auch UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz.
Bund und Länder hatten zuletzt einen umfangreichen Schutzschirm für bedrohte Unternehmen aufgespannt. Die Maßnahmen umfassen ein Kreditprogramm der staatlichen Förderbank KfW, Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld sowie ein Milliardenpaket mit direkten Zuschüssen.
Von den Sofortzahlungen profitieren bislang allerdings nur kleine Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten. Daran entzündet sich nun die Kritik des Mittelstandes. So können Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten bei einem Liquiditätsengpass vorwiegend KfW-Kredite beantragen. Dies stelle für viele Unternehmen keine dauerhafte Lösung dar, warnt der UV Nord. Denn die Liquiditätsprobleme würden dadurch in die Zukunft verschoben und könnten am Ende eine Überschuldung für die Betriebe bedeuten. Auch für den VDR ist „absehbar“, dass für einige Firmen die spätere Tilgung von Krediten zum Problem wird.
Vor diesem Hintergrund fordern die Wirtschaftsverbände eine Nachbesserung bei den Hilfsprogrammen. Wie bei den kleinen Unternehmen sollte die Bundesregierung auch größeren Betrieben direkte Zuschüsse zur Überbrückung der Corona-bedingten Finanzierungsprobleme gewähren, hieß es übereinstimmend. AGA-Präsident Kruse schlägt vor, dass die in den vergangenen beiden Jahren gezahlten Steuern zurückerstattet werden könnten.
Ungeachtet dessen fordert die DIHK aber auch eine verbesserte Praxis bei der Kreditvergabe. Zurzeit übernimmt die KfW eine Garantie von 80 bis 90 Prozent für neu beantragte Hilfskredite. Doch trotz dieser Zusage würden weiterhin viele Firmen im üblichen Prüfverfahren der Hausbanken durchfallen, hieß es. Die DIHK fordert daher eine 100-prozentige Deckung von Betriebsmittelkrediten durch den Staat. Damit die Kreditaufnahme aber nicht zum neuen Problem wird, sollte es aus Sicht des VDR bei der KfW zentrale Ansprechpartner für die einzelnen Wirtschaftsbereiche geben. Gerade mit Blick auf die wichtige, maritime Industrie „wäre dies sehr wünschenswert“, betonte ein VDR-Sprecher gegenüber dem THB.
Das Bundeswirtschaftsministerium signalisierte den Verbänden bereits Gesprächsbereitschaft über mögliche weitere Hilfspakete. Konkrete Maßnahmen schlug die Behörde allerdings nicht vor.
Am Freitag schritt zunächst Schleswig-Holstein voran. Die Landesregierung beschloss, auch Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten besser zu fördern. Die Firmen sollen einen direkten Zuschuss von bis zu 30.000 Euro erhalten. Die IHK Nord begrüßte die Entscheidung. Allerdings warnt der Bundesverband auch vor einem Flickenteppich. Wichtig sei es jetzt, so teilte der DIHK mit, dass sich Bund und Länder untereinander abstimmten und dass es am Ende deutschlandweit vergleichbare Lösungen für den Mittelstand gebe. jki