Hamburg digitalisiert sein Schiffsregister

Schneller, einfacher und rund um die Uhr möglich: Wer Schiffe ins Hamburger Schiffsregister eintragen möchte, soll dies vom 1. Januar 2020 an bequem über ein nutzerfreundliches Onlineportal tun können.

Bisher müssen Reeder oder Notare, die ein Schiff in Hamburg registrieren wollen, die erforderlichen Anträge physisch beim Amtsgericht-Mitte einreichen, diese also in Papierform auf dem Postweg oder elektronisch übermitteln. Das kostet nicht nur viel Zeit, sondern erzeugt auch einen enormen Verwaltungsaufwand.

Abhilfe schaffen soll das digitale Schiffsregister, das gestern im Digital Hub Logistics in der Hamburger Speicherstadt vorgestellt wurde. Vorgesehen ist, dass das Onlineportal am 1. Januar 2020 den Betrieb aufnimmt. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 2,2 Millionen Euro, daran beteiligt sind die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), die Justizbehörde und das für das Schifffahrtsregister zuständige Amtsgericht.

„Dieses Register nicht digital zu betreiben, widerspricht der Innovationsstrategie des Hamburger Senats“, sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos), der selbst einen Arbeitsplatz im Digital Hub Logistics hat. Ein digitales Schifffahrtsregister sei anwenderfreundlich, erhöhe die Effizienz und baue Bürokratie ab. „Wir sind damit Vorreiter in Deutschland und liefern vielleicht eine Blaupause für andere Bundesländer“, so Westhagemann. „Der Einsatz der Technik wird die Justiz entlasten und die Arbeit für die Kolleginnen und Kollegen am Amtsgericht erleichtern“, sagte Hamburgs Justizsenator Dr. Till Steffen (Grüne). Die Zeitersparnis könne bis zu 50 Prozent betragen, ergänzte Christian Thomsen, Projektverantwortlicher beim IT-Dienstleister MGM Technology Partners. Die Bearbeitungszeit würde somit nur noch wenige Tage betragen. Die Hauptaufgabe – nämlich das Prüfen des Antrags durch die Rechtspflege – bleibe jedoch unverändert.

„Mit dem digitalen Schiffsregister entwickeln wir etwas wirklich Neues“, erklärte Ute Kleinschirkes, Projektleiterin von ebenfalls beteiligten IT-Dienstleister Dataport. Das Schiffsregister werde voll und ganz auf die Arbeitsweise der Nutzer und deren Prozesse ausgerichtet sein. „Sie waren von Anfang an mit eingebunden und wir stimmen jedes Arbeitsergebnis mit ihnen ab.“

Die ersten Anwendertests sollen Ende des zweiten Quartals beginnen, Ende des dritten Quartals stehen dann bereits die Abnahmetests an. „Die Abnahmetests werden schnell gehen, da die Anwender das System ja bereits kennen“, berichtet Thomsen mit Bezug auf die für das Schiffsregister zuständigen Kolleginnen und Kollegen am Amtsgericht, die jederzeit Zugriff auf den aktuellen Status der Anwendung haben.

Die enge Einbindung der Fachbereiche und die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten habe wesentlich dazu beigetragen, dass das Projekt innerhalb des Zeit- und Budgetrahmens liegt. Die lösungsorientierte, pragmatische und auf agilen Methoden („Scrum“) basierende Vorgehensweise in allen Projektphasen sei ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor.

Steffen betonte, dass mit der Digitalisierung des Schiffsregisters auch die Attraktivität des Schifffahrts- und Rechtsstandorts Hamburg gesteigert wird. Wer ein Schiff in Hamburg registrieren möchte, sei künftig unabhängig von Öffnungszeiten der Behörden. Zudem könne Akteneinsicht bei Bedarf vom Schreibtisch aus erfolgen. „Unser Ziel ist, einen Service anzubieten, der Hamburg für die Branche zur ersten Wahl bei der Registrierung von Schiffen macht“, sagte Hamburgs Justizsenator zusammenfassend.

Bei der HSH Nordbank wird die Einführung eines digitalen Schiffsregisters positiv aufgenommen. Auf Anfrage des THB sprach das Geldinstitut von einem Schritt in die richtige Richtung. Im Schiffsverkauf sei künftig ein deutlicher Zeitgewinn zu erwarten. bek

Großer Fortschritt für Hamburg

In der maritimen Wirtschaft wird Hamburgs digitales Schiffsregister bereits erwartet. Der Verband Deutscher Reeder „begrüßt die geplante Einführung sehr“, sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied. „Schiffsverkäufe sind oft zeitkritisch, eine Digitalisierung ist hier deshalb äußerst wünschenswert.“ Nagel sieht auch „ein gutes Beispiel für den Mehrwert, den Digitalisierung bringen kann, wenn sich die Mitarbeiter des Registers künftig stärker ihren Hauptaufgaben zuwenden können“. Es sei zu hoffen, dass sich andere Bundesländer anschließen. Auch beim Zentralverband Deutscher Schiffsmakler (ZVDS) gilt das Vorhaben als „enormer Fortschritt“, sagte Geschäftsführer Dr. Alexander Geisler. Abläufe könnten deutlich beschleunigt werden. „Wichtig ist aber die Frage der Kosten- und Gebührenstruktur“, betonte er vor dem Hintergrund der geplanten Veränderungen. ger

Kommentar von Benjamin Klare: Wichtiges Signal für den Standort

Mit der Einführung eines digitalen Schiffsregisters übernimmt Hamburg eine Vorreiterrolle. Es ist ein wichtiger Schritt für den gesamten Schifffahrtsstandort Deutschland, der sich im internationalen Wettbewerb behaupten muss. Nicht nur in Ladungsfragen, auch in puncto Service gilt die Devise: Wer bietet mehr? Mit dem digitalen Schiffsregister kann Hamburg den Reedern einen solchen Mehrwert bieten. Und da das technische Set-up die Standards der Bund-Länder-Kommission für IT in der Justiz berücksichtigt, könnten andere Bundesländer künftig ebenfalls darauf zurückgreifen – oder Hamburg womöglich sogar die Führung ihrer Schiffsregister übertragen.

An der Digitalisierung des Schiffsregisters arbeiten seit August 2018 die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), die Justizbehörde und das Amtsgericht gemeinsam mit den IT-Dienstleistern Dataport und MGM Technology Partners. Das Projekt ist Teil der „Digital First“-Strategie der Freien und Hansestadt Hamburg.

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