„Hohe Zäune, hohe Kosten, schlechter Service“

Nach der Kieler Woche (KiWo) ist vor der Kieler Woche: Die Betreiber von Traditionsschiffen, vor allem Seglern, üben deutliche Kritik an der Kostenstruktur im Hafen Kiel und auch an weiteren Rahmenbedingungen.

Die Kritik steht im Kontrast zur ansonsten positiven Gesamtdarstellung, die Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), direkt nach dem Ende der 124. KiWo gegeben hatte. Tatsächlich fallen einzelne Reaktionen von bestens bekannten Kiel-Gastschiffen nicht schmeichelhaft aus. So sagte beispielsweise Jens Middendorf, Nautik-Vorstand des Großseglers „Alexander von Humboldt II“: „Alle anderen Häfen heißen uns willkommen, Kiel nicht.“ Genau deshalb sei man vergangenes Wochenende auch in Flensburg geblieben und nicht in Kiel. Middendorf bemängelt, den „fehlenden maritimen Einfluss“ in der Landeshauptstadt. „Die Kieler Woche ist eigentlich ein Segelfest. Doch es kümmert sich kaum einer um uns“, konstatiert er für die von ihm repräsentierte, bekannte Plattform. Die Bark wurde auf der Werft BVT – Brenn- und Verformtechnik Bremen GmbH gebaut und im Oktober 2011 in Dienst gestellt. Was Middendorf besonders stört: „Wir werden wie ein Passagierschiff behandelt, müssen hohe Gebühren zahlen und liegen hinter hohen Zäunen.“ Das sei in anderen Häfen anders, führt er weiter aus.

Zu klaren Worten in Richtung Rathaus und Hafen sieht sich auch Ulrich Lamprecht, Kapitän der „Thor Heyerdahl“, berufen. Der Toppsegelschoner wurde zunächst 1930 als Frachtsegler gebaut und durchlief in seinem langen Schiffsleben verschiedene Wandlungen. Von Oktober 2007 bis Juni 2009 wurde das Schiff auf der (ehemaligen) Werft HDW in Kiel grundsaniert.

Erlebnispädagogik steht seit Jahr und Tag im Mittelpunkt. Lamprecht weiter: „Es fehlt allgemein an der Wertschätzung von Seiten der Stadt für uns Traditionsschiffe und Großsegler. Wenn wir zur Hanse Sail nach Rostock fahren, dann werden wir richtig begrüßt.“ Der Frust habe sich bei vielen Seglern seit Jahren aufgestaut. „In Kiel gibt es keine richtigen Liegeplätze für uns, und alles ist sehr teuer – damit meine ich auch Dinge wie die Müllabgabe.“ Generell sei die Kieler Woche eine ideale Bühne für die maritime Szene und auch eine sehr beliebte Stadt. „Es wäre deshalb schön, wenn von Seiten der Stadt auch etwas mehr für uns getan würde.“ FB/EHA

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