Hurtig, aber nicht zu schnell

Foto: Hurtigruten
Es gibt Schiffe, die man als bekennender Shiplover einfach tief ins Herz schließen muss.
Das 1964 auf der norwegischen Werft A/S Akers Mekaniske Verksted in Bergen gebaute, kombinierte Post-, Fracht- und Passagierschiff „Lofoten“ (IMO 5424562) fällt genau in diese Kategorie. Es ist derzeit das älteste Schiff der norwegischen Traditionsreederei mit dem wunderbaren Namen Hurtigruten, eine Art „Bus zur See“.
Die rund 87 Meter lange und 13 Meter breite „Lofoten“ macht dabei gerade einmal 16 Knoten Fahrt. Seit ihrer Gründung 1893 fahren die Schiffe der Reederei die lang gestreckte norwegische Küste von Bergen bis hoch zum Nordkap rauf und runter. Auch kleinste Häfen wurden und werden dabei regelmäßig angelaufen. Was zunächst primär den Charakter eines innernorwegischen Mobilitätssystems hatte, hat sich zu einem attraktiven Reiseangebot gemausert. Passagiere, auch und immer häufiger aus dem Ausland, stehen heute als Kunden im Fokus. Fracht und Post kommen erst dann on top. Die neuen Schiffe der Reederei berücksichtigen exakt diese Marktveränderungen.
Es sind Mini-Küstenkreuzfahrtschiffe, die für all jene interessant sind, die zwar hurtig, aber doch nicht zu schnell reisen und die dabei die fantastische norwegische Küsten- und Fjordlandschaft genießen wollen. Die „Lofoten“ steht dabei für eine andere Reiseepoche und hat innerhalb der Hurtigruten ihren festen Fan-Kreis. Gerade einmal 400 Passagiere finden an Bord Platz. Das robuste Schiff, das weiterhin mit dem ersten Hauptmotor unterwegs ist, steht seit 2001 unter Denkmalschutz. Damit ist nicht zu befürchten, dass mit dem letztmaligen Ertönen des Schiffstyphons am 2. Januar 2021 im Hafen von Bergen gleich die Blaumänner mit den Schneidbrennern anrücken werden, um den Oldie fachgerecht zu zerlegen.
Bis es aber so weit ist, fährt die „Lofoten“ noch eine volle Saison durch und beglückt ihre Mitreisenden. Dafür wünscht auch die THB-Crew dem Schiff nur eines: „god tur“, also „gute Reise“. EHA
