Immer weniger Frachter sind versichert

Der Schutzverein Deutscher Rheder hat im vergangenen Jahr Ansprüche aus Streitfällen in Höhe von 18,2 Millionen Euro für seine Mitglieder gewonnen oder abgewehrt. Damit wurde das Vorjahresergebnis von 15,8 Millionen Euro deutlich übertroffen. Dabei hat sich die Quote erledigter Fälle gegenüber dem Vorjahr von 26 auf 34 Prozent erhöht.

Der durch die Auflösung von Rückstellungen von 402.345 auf 572.089 Euro erhöhte Überschuss wurde der Rücklage zugeführt, wodurch die finanzielle Basis des Vereins weiter gestärkt wurde. Der von dem Vorstandsvorsitzenden Carsten Sommerhage (Columbia Shipmanagement) vorgelegte Geschäftsbericht wurde jetzt von der Mitgliederversammlung des Schutzvereins gebilligt. Angesichts des positiven Geschäftsergebnisses beschloss die Mitgliederversammlung, die Beiträge für 2016 unverändert zu lassen.

Der Rückgang versicherter Schiffe setzt sich im laufenden Geschäftsjahr konjunkturbedingt fort. Wie Geschäftsführer Wolf-Dietrich Gerlach mitteilte, hat sich der Bestand um 8,6 Prozent von 1836 Schiffen im Oktober 2014 auf 1678 Einheiten reduziert. Dementsprechend ist auch die Gesamttonnage der versicherten Schiffe zurückgegangen, und zwar um sieben Prozent auf 38 Millionen BRZ im Okto ber 2015.

Trotz des niedrigeren Beitragsaufkommens wird für das laufende Geschäftsjahr erneut ein positives Ergebnis erwartet, wenngleich der Überschuss angesichts des unverändert hohen Kostenniveaus voraussichtlich geringer als im Vorjahr ausfallen wird. Aufgrund der niedrigeren Schiffsanzahl ist auch die Zahl der neuen Streitfälle im Geschäftsjahr 2015 gegenüber dem Vorjahr bislang rückläufig und reduzierte sich von 380 Streitfällen im Oktober 2014 auf 335 im Oktober 2015. Ähnliches gilt für die allgemeinen Anfragen, bei denen es in erster Linie um die Verhandlung und Bewertung von Frachtvertragsklauseln geht. Hier ist ein Rückgang von 430 Vorgängen im Oktober 2014 auf 344 im Oktober 2015 festzustellen.

Streitigkeiten aus Zeitfrachtverträgen bilden auch 2015 einen Tätigkeitsschwerpunkt. Bei Reisefrachtverträgen häufen sich Probleme mit Befrachtern, die – zum Teil aufgrund fehlender Professionalität – nicht in der Lage sind, ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen, was in manchen Fällen zu enormen finanziellen Verlusten für Mitgliedsreedereien führt. Die Insolvenz von OW Bunker führte zu zahlreichen Arresten und Arrestdrohungen gegen Schiffe von Mitgliedern und zum Teil zu Streitigkeiten um Zeitfrachtverträge. Die damit verbundenen Gerichtsverfahren dürften den Verein voraussichtlich noch einige Zeit beschäftigen und einen erheblichen Kostenaufwand nach sich ziehen. JEME/fab

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