Konzepte gegen Niedrigwasser

Unternehmen mit Fabriken am Rhein stellen sich auf Engpässe bei der Rohstoffversorgung durch Niedrigwasser ein.

So hat sich der Stahlkonzern Thyssenkrupp zusätzliche Transportkapazität auf der Schiene gesichert, um bei der Belieferung seines Hüttenwerks in Duisburg mit Kohle und Erz nicht ausschließlich auf Binnenschiffe angewiesen zu sein. Auch der Einsatz von Schiffen mit geringerem Tiefgang wird geprüft.

„Wir leben seit 1891 mit dem Rhein“, sagte ein Sprecher der Stahlsparte des Industriekonzerns, dessen großes Hüttenwerk direkt am Flussufer in Duisburg steht. Niedrigwasser sei deshalb nicht unbekannt. Im vergangenen Oktober seien die Pegelstände aber „in einer Geschwindigkeit und in einem Ausmaß gesunken, wie wir es zuvor nicht erlebt hatten“. Am Jahresende habe bei Thyssenkrupp ein finanzielles Minus durch die Dürre im „niedrigen dreistelligen Millionenbereich“ gestanden.

Thyssenkrupp versorgt das Werk mit Schiffen einer eigenen Reederei. Pro Tag bringen sie rund 60.000 Tonnen Erz und Kohle aus den Häfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam zu den Hochöfen nach Duisburg. Um bei Niedrigwasser schnell reagieren zu können, hat der Stahlkonzern einen Kohlenzug langfristig angemietet. Für einen zweiten Zug hat sich Thyssenkrupp eine Option gesichert. Auch die Auswertung von Wetter- und Gewässerdaten soll verbessert werden, um über ein Frühwarnsystem Niedrigwasserphasen schnell zu erkennen.

Eine dauerhaft bessere Versorgung bei Niedrigwasser braucht aber Zeit. „Wir wollen durch den Einsatz von Schiffen mit weniger Tiefgang unabhängiger von niedrigen Pegelständen werden“, betonte der Unternehmenssprecher. Die Anschaffung neuer Schiffe sei aber ein langfristiger Prozess. Auch eine Ausdehnung der Lagerkapazitäten im Stahlwerk sei „nicht von heute auf morgen zu machen“.

So wie Thyssenkrupp geht es vielen Unternehmen mit Fabriken an der Wasserstraße. Denn der kurzfristigen Verlagerung von Transporten vom Rhein auf die Straße sind enge Grenzen gesetzt. Um die Ladung eines großen Rheinschiffs mit einer Länge von 110 Meter und 3000 Tonnen Kapazität aufnehmen zu können, sind 150 Lastwagen erforderlich. Das bekam auch der Chemiekonzern Covestro zu spüren, der eine Gewinnwarnung auch mit den Folgen des Niedrigwassers begründete.

Drei große Werke betreibt der Spezialchemiehersteller am Rhein in Nordrhein-Westfalen. Vor allem große Mengen Salz für die Chlorproduktion werden per Schiff angeliefert und die fertigen Produkte auch über das Wasser abtransportiert. „Das können Sie nicht so einfach auf die Straße oder die Schiene verlagern“, sagte ein Sprecher. Zudem waren die Covestro-Werke nicht die einzigen, die alternative Transportmöglichkeiten brauchten. Folge der erhöhten Nachfrage: „Ein Preisanstieg durch die knapper werdenden Kapazitäten am gesamten Logistikmarkt.“

Auch Covestro prüft nun den verstärkten Einsatz von Flachbodenschiffen und will zum Be- und Entladen der Tankschiffe stärkere Pumpen einsetzen, um an den Anlegern der Werke mehr Schiffe abfertigen zu können.

Einen Schritt weiter ist der Mineralölkonzern BP. Er lässt im Gelsenkirchener Stadthafen eine neue Abfüllanlage für Kesselwagen bauen. Etwa 40 Züge mit Kerosin, Benzin und Diesel könnten dann pro Woche über die Schiene nach Nord- und Süddeutschland rollen. BP betreibt in Gelsenkirchen eine große Raffinerie, die künftig durch eine Pipeline mit dem Hafen verbunden wird. Auch das soll die Abhängigkeit vom Schiff verringern. dpa/bek

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