LNG braucht noch viel Zeit

Eines von derzeit nur wenigen Containerschiffen mit LNG-Antrieb: der 1400-TEU-Carrier „Containerships Nord“, Foto: Hasenpusch
Der Einsatz von LNG in der Schifffahrt ist unverzichtbar, wenn die maritime Energiewende im Sinne des Pariser Klimaschutzabkommens gelingen soll. Darüber sind sich Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft einig, teilte die Maritime LNG Plattform jetzt beim jährlichen Sommer-Gespräch in Hamburg mit und veröffentlichte ein entsprechendes Positionspapier. Doch zugleich wird eine weitreichende Umstellung der globalen Schifffahrt noch Jahrzehnte dauern.
Aktuell seien weltweit nur einige 100 Schiffe mit LNG unterwegs, hieß es. Nach Informationen der Klassifikationsgesellschaft DNV GL sind es derzeit sogar lediglich 163, mit 153 weiteren im Orderbuch, wie aus der Plattform Alternative Fuels Insight hervorgeht.
Aber es gibt Fortschritte. Bei kommenden Kreuzfahrtschiffen sei der alternative Treibstoff inzwischen Standard, und rund die Hälfte der Frachtschiffe würde nach einer Schätzung von Prof. Friedrich Wirz von der Technischen Universität Hamburg zumindest als „LNG-ready“ konzipiert. Bis jedoch die komplette Weltflotte einmal erneuert ist, vergehen nach Experteneinschätzung mindestens 30 Jahre.
LNG könne als Übergangstechnologie für die nächsten 20 bis 30 Jahre dienen, sagte der Initiator der Maritimen LNG Plattform, der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. Dabei kann das zunächst genutzte fossile LNG, das im Vergleich zu ölbasierten Kraftstoffen zu einer CO2-Reduktion von bis zu 20 Prozent beitragen kann, mittelfristig und schrittweise durch synthetisch erzeugtes LNG ersetzt werden. Nachholbedarf sieht von Beust derweil im Hamburger Hafen. Der sei nur „mittelmäßig“ auf die Herausforderungen der Energiewende vorbereitet. „Immer wenn es konkret wird, dann wird es auch schwierig.“
Die Schifffahrt sei bereit für mehr Umweltschutz, es fehlten jedoch die passenden Rahmenbedingungen, sagte der Geschäftsführer der Maritimen LNG Plattform, Georg Ehrmann. Er forderte Investitionen in eine LNG-Infrastruktur und eine Fortsetzung der Förderung durch den Bund.
Zu klären ist auch nach wie vor der Aufbau einer LNG-Versorgungsinfrastruktur. In Deutschland gibt es bislang keinen Importterminal zur Betankung von Schiffen mit verflüssigtem Erdgas, wenngleich sich die Häfen Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade längst als möglicher Standort für einen größeren Terminal bewerben. Die Investitionskosten betragen jeweils rund 500 Millionen Euro. Nach Einschätzung der Maritimen LNG Plattform könnten auch zwei der Projekte verwirklicht werden, Entscheidungen sollen im Herbst fallen. ger