LNG-Pläne geraten durcheinander

Im Wettbewerb um die Ansiedlung eines nationalen Import-Terminals für Flüssigerdgas (LNG) droht dem Standort in Wilhelmshaven ein Rückschlag: So könnten die Baupläne durch ein Unterwasser-Biotop durchkreuzt werden.

Bei einer Untersuchung im Auftrag des Energiekonzerns Uniper hätten sich Hinweise auf einen schützenswerten Lebensraum für Muscheln, Würmer und Kleinstlebewesen ergeben, teilte das niedersächsische Wirtschaftsministerium mit. „Sollte es sich tatsächlich um ein schützenswertes Biotop handeln, können sich nach Auskunft von Uniper die Planungen möglicherweise um bis zu ein Jahr verzögern“, sagte ein Ministeriumssprecher. Demnach würde die Inbetriebnahme des LNG-Terminals erst im Sommer 2024 und nicht 2023 erfolgen.

„Wir gehen im Moment davon aus, dass es sich um ein schützenswertes Biotop handelt“, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Sollten das weitere Untersuchungen bestätigen, werden die nächsten Schritte diskutiert. „Zum Beispiel ist es möglich, dieses Biotop und seine Bewohner umzusiedeln“, so der Sprecher weiter.

Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht das Projekt aber nicht gefährdet. Er verwies darauf, dass es auch Ausnahmen vom Bundesnaturschutzgesetz gebe.

In Deutschland gibt es noch keinen Import-Terminal. Indes laufen Planungen neben Wilhelmshaven in Brunsbüttel, Stade und in kleinerem Maßstab in Rostock. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern erwägt der Jade-Hafen, Deutschlands umschlagstärkster Rohöl- und Kohle-Import-Standort, die Installation einer sogenannten „Floating Storage and Regasifikation Unit“(FSRU). Laut Wirtschaftsministerium wird Uniper diese Planungen vorerst weiterhin vorantreiben. Vom Düsseldorfer Konzern selbst war keine Stellungnahme zu bekommen.

Ungeachtet der Terminal-Pläne deutet sich bei dem Energieriesen aber eine Veränderung an: Künftig könnte Fortum die Mehrheit an dem deutschen Stromproduzenten übernehmen. Dafür räumte der finnische Konzern eine große Hürde aus dem Weg. Und zwar habe die russische Antimonopolbehörde den geplanten Erwerb von weiteren Uniper-Aktien gebilligt, teilte Fortum mit. Weitere Details zu der nun getroffenen Vereinbarung mit Russland nannte das Unternehmen nicht.

Fortum hält bislang 49,99 Prozent an Uniper und hat sich weitere mehr als 20 Prozent gesichert, die bislang von Investoren gehalten werden. Ein Veto aus Russland hatte bisher die Übernahme der Mehrheit durch Fortum blockiert.

Schuld war eine Uniper-Beteiligung an einer Wasseraufbereitungsanlage bei einem russischen Kraftwerk. Solche Anlagen betrachtet Russland als strategische Aktivitäten, die nicht mehrheitlich in den Besitz von Unternehmen geraten dürfen, die im Besitz eines fremden Staates sind. Fortum gehört allerdings mehrheitlich dem finnischen Staat. dpa/jki

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