Maritime Wirtschaft bleibt Kernindustrie für den Norden

Schleswig-Holsteins Werften und seine Schiffszuliefererindustrie sind gut beraten, ihre auch im Weltvergleich derzeitige, gute Marktposition auf dem Gebiet des Spezialschiffbaus dauerhaft abzusichern.

Dafür sprach sich jetzt Dr. Bernd Buchholz (FDP), Wirtschafts- und Verkehrsminister des Landes, auf einer Festveranstaltung des Nautischen Vereins zu Flensburg (NV)aus. Jürgen Mascow, 2.Vorsitzender des NV Flensburg, freute sich über rund 100 Teilnehmer aus der maritimen Wirtschaft, der Verwaltung und der Politik, die sich im Haus „Borgerforeningen“ eingefunden hatten. Einen wertvollen Beitrag zum traditionellen Rahmen der Veranstaltung leistete dabei auch der Shanty-Chor „Die Hornblower“.

Minister Buchholz betonte in seiner knapp 30-minütigen, frei gehaltenen Rede den besonderen Stellenwert der verschiedenen Nautischen Vereine in Deutschland, deren Dachorganisation, der DNV, 2018 immerhin sein 150-jähriges Bestehen feiern könne. Die im DNV und den regionalen und lokalen Mitgliedsorganisationen vereinte maritime Kompetenz sei auch für die Arbeit eines Verkehrs- und Wirtschaftsministeriums sehr willkommen und bedeutsam.

In seinem Referat ging es Buchholz vor allem darum, den hohen Stellenwert der maritimen Wirtschaft für das Land zwischen den Meeren herauszuarbeiten. Die Werften beispielsweise seien dabei eine wichtige Säule. An sie appellierte der Minister, ihre Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auf einem hohen Niveau zu erhalten, um so zu erreichen, dass die für den Markterfolg in der Nische wichtigen, innovativen Produkte auch weiter auf dem Weltmarkt angeboten werden können. So würden Länder wie China oder Südkorea, die mit ihren Werften bislang vor allem auf das Massengeschäft ausgerichtet seien und damit aufgrund der weiterhin schwelenden Schifffahrtskrise zunehmend Auslastungsprobleme hätten, sehr wohl auch auf die Nischenmärkte schauen. Mit Blick auf den Standort Flensburg lobte Buchholz das erfolgreiche Wirken der Traditionswerft Flensburger Schiffbau Gesellschaft (FSG). Einem Unternehmen, das gerade in der jüngeren Vergangenheit zeitweise mit schwerer See zu kämpfen hatte.

Inzwischen stehe die Werft mit ihren rund 650 Direktbeschäftigten soweit erfolgreich dar, auch weil sie sich mit ihrem Kernprodukt, dem Bau hochwertiger Ro/Ro- und RoPax-Fähren, weltweit einen guten Ruf erarbeitet habe. Beispielhaft dafür sei die Ende Januar bei der FSG getaufte RoPax-Einheit „W.B.Yeats“, die für die Reederei Irish Ferries entsteht. Sie befindet sich seitdem in der Endausrüstung und soll zur Jahresmitte an den Auftraggeber übergeben werden. 2000 Passagiere, 1200 Autos oder 150 Lkw-Trailer kann das Schiff aufnehmen, das seitens der Werft als Referenzprodukt für den Weltmarkt betrachtet wird. Buchholz freute sich, dass im Auftragsbuch der FSG derzeit fünf weitere Schiffe stehen, so dass die Fertigungskapazitäten bis 2021 ausgelastet seien. Das sichere nicht nur Lohn und Brot für die festangestellten Mitarbeiter, sondern auch für die zahlreichen Unterauftragnehmer, so dass die Werft unterm Strich Beschäftigung für bis zu 1500 Beschäftigte biete. Flensburgs Werft sei darüber hinaus auch für die lokale maritime Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Ihm kommt nach Buchholz´Überzeugung eine wichtige regionale Ver- und Entsorgungsrolle zukomme. Daher erfülle es ihn auch „mit einiger Sorge“, wenn er aus Flensburg vernehme, dass man offenkundig in bestimmten Kreisen über die Sinnhaftigkeit des Hafens in seiner klassischen Funktion als Umschlag- und Logistikdrehscheibe, diskutiere und in Frage stelle: Wohnungsbau oder Hafen? Die Umwidmung von klassischen Hafenarealen in Flächen für den Wohnungsbau aber bedeute auch, dass diese Flächen damit unwiederbringlich für den Hafen verloren seien. Auf der anderen Seite könnten gerade Regionalhäfen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Lkw-Ladungsanteile wieder zurück auf das vergleichsweise saubere Schiff gelenkt werden könnten. Man denke beispielsweise an den Transport großer Mengen Baustoffe per Schiff. Genau vor dem Hintergrund setze sich die Landesregierung mit Vehemenz für die Revitalisierung des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) ein.

Erleichtert zeigte sich Buchholz darüber, dass es jetzt einen Durchbruch beim emotionalen Thema Sicherheit und Traditionsschifffahrt gegeben habe. Der Minister dazu wörtlich: „Ich glaube, alle können jetzt gut damit leben.“ EHA

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