„Maritime Wirtschaft hält Kurs trotz unruhiger See“

Trotz der jahrelangen Krise der internationalen Schifffahrt ist auf dem 35. Deutschen Seeschifffahrtstag in Kiel Zuversicht und Selbstvertrauen verbreitet worden.

„Die maritime Wirtschaft bewegt sich aktuell in unruhiger See“, sagte der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Uwe Beckmeyer auf der Werft ThyssenKrupp Marine Systems. Aber die maritime Wirtschaft halte Kurs, „denn die Segel sind richtig gesetzt“. Die Branche nutze ihre Stärken, und die Bundesregierung begleite den Wandel mit einer konsequenten Innovationspolitik. Die schwierige Lage am Weltmarkt lasse sich dagegen nur schwer beeinflussen.

Ebenfalls optimistisch äußerten sich der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder, Alfred Hartmann, und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD).

„In der Seeschifffahrt sorgen wir mit einem Maßnahmenbündel dafür, gute Arbeitsplätze auch in schwierigen Zeiten zu sichern“, so Beckmeyer. Er nannte etwa den 100-prozentigen Lohnsteuereinbehalt. Im Schiffbau und bei den maritimen Technologien setze die Bundesregierung auf die Zukunfts trends „grün“ und „digital“ als wichtige Treiber für technologische Innovationen in der maritimen Industrie. Digitale Technologien sorgten für kürzere Liegezeiten und schnellere Abwicklung an den Terminals.

Ein weiterer wichtiger Baustein seien die Bundesprogramme für Forschung und Innovation, mit denen alternative Antriebskonzepte und Technologieentwicklung bei Werften und maritimer Industrie unterstützt würden. „Der deutsche Schiffbau setzt zu Recht auf Spezialschiffe und anspruchsvolle Passagier- und Kreuzfahrtschiffe, denn hier bieten sich neue Marktchancen“, meint der Maritime Koordinator.

Die maritime Wirtschaft ist nach den Worten Albigs „der Dreh- und Angelpunkt der deutschen Exportstärke. Sie ist eine echte Hightech-Branche, die weitere Industrie- und Dienstleistungszweige beeinflusst“. Schleswig-Holstein und Deutschland seien führend bei maritimen Ideen wie elektrischen Anschlüssen in Häfen, Brennstoffzellen, Hybridantrieben oder alternativen Kraftstoffen. Viele Innovationen im Schiffbau und beim Schiffsbetrieb stammten aus Deutschland. „In Sachen Know-how müssen sich Schifffahrt, Schiffbau und Zulieferbetriebe am Standort nicht verstecken“, so der Ministerpräsident. Wegen seines Auftritts beim Schifffahrtstag hatte die CDU-Opposition kurzerhand die Landtagsberatungen unterbrochen und Albig zurück ins Landeshaus bestellt. Denn der Regierungschef hatte sich nicht – wie üblich – vorher beim Ältestenrat des Parlaments abgemeldet.

VDR-Präsident Hartmann nannte als Chance die wachsende Digitalisierung, etwa die Vision autonom fahrender Schiffe, und größere Schiffe mit sparsameren Motoren für den Klimaschutz. Einen wichtigen Beitrag dafür könnten alternative Brennstoffe wie Flüssiggas (LNG) leisten. Notwendig für fairen Wettbewerb seien globale Umweltstandards und einheitliche Vorschriften in den Häfen.

Ein Problem für Reeder sei es, Geld für notwendige Investitionen aufzutreiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn für viele deutsche Banken komme ein Engagement in der Schifffahrt nicht mehr infrage.

Ein echter Kraftakt sei der Börsengang von Hapag-Lloyd, der größten deutschen Linienreederei, Ende 2015 gewesen. Auf den weltweiten Finanzmärkten müssten Reeder mit guten Argumenten um Finanzmittel werben. Dabei gebe es Erfolge, etwa auf den Anleihemärkten, an Finanzplätzen wie New York und Oslo oder bei chinesischen Banken.

Auch für die Beschäftigung deutscher Seeleute gebe es neue Perspektiven. Dank der neuen Fördermaßnahmen könnten die Reeder dem krisenbedingten Abwärtstrend der deutschen Flagge entgegenwirken. „Ich freue mich sehr, dass bereits ein Dutzend Schiffe zurück unter die deutsche Flagge gebracht wurde“, sagte Hartmann. Der Rückenwind für die Beschäftigung am Standort sei klar zu spüren.

Obwohl nach der Insolvenz der koreanischen Reederei Hanjin die Preise für die Containerschifffahrt in einigen Gebieten wieder gestiegen sind, werden nach Experteneinschätzungen hohe Verluste, steigende Risiken und Insolvenzen weiter der Schifffahrt zusetzen.

Der Schifffahrtstag appellierte an die Bundesregierung, Tiefsee-Rohstoffe in einem Testprojekt abzubauen. „Ein Pilot-Mining-Test sollte durch die deutsche Wirtschaft mit Unterstützung des Bundes durchgeführt werden“, hieß es zum Abschluss am Freitag. Dies böte eine Superchance, internationale Umweltstandards etwa für den Abbau von Manganknollen und Kobaldkrusten mitzugestalten, und eröffne zudem neue Perspektiven für die deutsche Wirtschaft, so die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, Monika Breuch-Moritz. Deutschland hat sich seit 2006 zwei Gebiete im Pazifik südwestlich von Hawaii gesichert. Bisher wurden die Gebiete weitgehend nur erforscht.

In Kiel hatten etwa 200 Experten über die Zukunft der Branche beraten. Zum Abschluss fand am Wochenende ein buntes Hafenfest mit Zehntausenden Besuchern an der Förde statt. FBi

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