Maritimes Streichkonzert

Große Hallen, große Pläne, großes Vorhaben: Der erste Bewerber-Tag der Neptun-Werft entfällt wegen Covid-19, Foto: Timo Jann
Die Folgen des Coronavirus durchkreuzen die von langer Hand vorbereiteten Planungen für die unterschiedlichsten Veranstaltungen in der maritimen Wirtschaft. Die THB-Redaktion erreichen entsprechende Absagen quasi im Stundentakt.
So hat sich das Management der zur Meyer-Werft-Gruppe gehörenden Neptun Werft in Rostock-Warnemünde dazu entschlossen, den 1. Bewerber-Tag, den das Unternehmen am Sonnabend, den 21. März durchführen wollte, abzusagen. Man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um die eigenen Mitarbeiter sowie „die erwarteten Interessenten und Bewerber zu schützen“. Auch auf die deutschen Schiffsmakler nimmt Covid-19 keine besondere Rücksicht. Die für Mittwoch, den 18. März in Hamburg angesetzte Mitgliederversammlung des Verbands Hamburger und Bremer Schiffsmakler e.V. sowie des Zentralverbands deutscher Schiffsmakler (ZVDS) fällt dem Rotstift zum Opfer. Noch Ende vergangener Woche war der Verband voller Zuversicht, den ursprünglichen Plan zu halten. „Aufgrund der Verschärfung der Lage um das Coronavirus sowie der Zunahme der Verdachtsfälle haben die Führungsgremien und andere Verbände die Lage erneut erörtert und beschlossen, dass ein Festhalten am jetzigen Termin auch vor den zunehmenden Reiserestriktionen keinen Sinn macht“, teilte Verbands-Geschäftsführer Dr. Alexander Geisler dem THB mit. Man werde die Mitglieder rechtzeitig über einen Ersatztermin informieren.
Auch der Nautische Verein zu Hamburg muss aufgrund der Virus-Epidemie ein Manöver des letzten Augenblicks ausführen: Die für den heutigen Dienstag, 17. März in der Hansestadt geplante Mitgliederversammlung sowie der Fachvortrag entfallen. Sein Titel lautete: „Maritime Müllabfuhr – Ein Pilotsystem für Küstengewässer“. Sehr ambitioniert, ausgesprochen inhalts- und abwechslungsreich: So sieht er aus, der neue Jahresplan des Reeder und Makler-Club (RuM-Club) in Hamburg. Peter Koletzki, der neue Vorstand, hatte ihn dieser Tage stolz präsentiert. Der THB berichtete ausführlich darüber. Und dann kam Covid-19. Der für den 19. März geplante Fachvortrag in der Elb-Hansestadt sei abzusagen, „und zwar schweren Herzens“, wie Peter Koletzki es an die Mitglieder kommunizierte. Als Referenten hatte der RuM-Club Michael Wester vom „Schutzverein Deutscher Rehder“ gewonnen. Koletzki weiter: „ Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass Herr Wester gerade über Klauseln referieren wollte, die Epidemien und andere Unwägbarkeiten betreffen. Herr Wester hat aber versprochen, seinen Vortrag zu gegebener Zeit gern nachzuholen.“ Und auch das stellt der erfahrene und wortgewandte Club-Chef bereits jetzt in Aussicht: „Es lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, wann wir wieder einen geregelten Ablauf haben werden.“
Zu einem „Not-Stopp“ sieht sich auch die Französische Marine gezwungen, wenn es um lange geplante Länder- und Häfen-Besuche geht. Denn der für das kommende Wochenende – Einlaufen: 20. März, Auslaufen: 23. März – vorgesehene Freundschaftsbesuch der französischen Fregatte „Chevalier Paul“ (D 621) entfällt, teilte das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr am Montag mit. Kleiner Trost: Das letzte „graue Schiff“, genauer gesagt das U-Boot „Zeeleuw“ („Seelöwe“), hatte Hamburg noch ansteuern, an der Überseebrücke festmachen und am Montagmorgen sicher und mit einer hochmotivierten Crew wieder verlassen können.
RuM-Club-Chef Peter Koletzki liefert in dieser Aufzählung das passende Schlusswort. Seine dazu genutzte Quelle ist der Text eines Schildes, mit dem sich ein offenkundig grundoptimistischer römischer Res taurant-Besitzer an seine Kundschaft wendet: „Andrá tutto bene“, auf Deutsch: „Alles wird gut.“ Der THB verfolgt mit höchster Aufmerksamkeit das weitere Geschehen. EHA
