Metaller „zünden“ 2. Stufe

Klares Signal (v.l.): Meinhard Geiken und Ina Morgenroth, Foto: Arndt
Die Gewerkschaft IG Metall erhöht den Druck auf die Arbeitgeber bei den laufenden Tarifverhandlungen.
Am Mittwoch beginnen in 30 Betrieben mit insgesamt mehr als 50.000 Beschäftigten in Norddeutschland ganztägige Arbeitsniederlegungen.
Betroffen von den Warnstreiks sind Unternehmen aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie, dem Maschinenbau sowie Werften. Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste, am Montag in Hamburg: „Wir sind in allen Bereichen gut aufgestellt.“ Bundesweit erfassen die bis Freitag währenden Warnstreiks sogar 250 Unternehmen.
Bei den für Streiks ausgewählten Firmen werde es ein breites Spektrum an Betriebsgrößen geben, „das heißt von 50 Mitarbeitern bis hin zu 10.000 und mehr Beschäftigten“, ergänzte Geiken. Für ihn sind die ganztägigen Warnstreiks „die letzte Warnung an die Arbeitgeber“, sozusagen „dunkelgelb“. Geiken begründete das „Zünden der 2. Stufe der Warnstreiks“ vor allem damit, dass die Arbeitgeber seite sich bislang am Verhandlungstisch bei den verschiedenen, zum Gesamtpaket gehörenden Inhalten nur „in Trippelschritten bewegt“ habe.
Neben sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate fordert die IG Metall einen Anspruch auf zeitweise Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden und einen Entgeltzuschuss für die Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit verringern und Kinder betreuen, Familienangehörige pflegen oder im Schichtdienst arbeiten.
Geiken erinnerte daran, dass es der deutschen Metall- und auch Elektroindustrie überwiegende gut bis sehr gut gehe. Dabei verwies er auf entsprechende Einschätzungen aus dem Arbeitgeberlager selbst, zum Beispiel Nordmetall. Die Streiks sind pro Betrieb auf jeweils einen Tag begrenzt, beginnen am Mittwoch und enden am Freitag. Welche Unternehmen von konkreten Arbeitsniederlegungen betroffen sind, will IG Metall Küste dabei jeweils am Vortag bekanntgeben, das heißt am heutigen Dienstag wird mitgeteilt, bei welchen Firmen am Mittwoch die Arbeit ruht. Die Streikbereitschaft sei jedenfalls ausgeprägt, stellte Ina Morgenroth, Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Region Hamburg, fest. „Ich rechne mit einem klaren Signal.“
Vor den Aktionen werde die konkrete Streikbereitschaft in den dafür vorgesehenen Unternehmen in jedem Fall genau ermittelt, zum Beispiel über geheime Abstimmungen mit Wahlurnen bei größeren Unternehmen oder durch die Direktbefragung in kleineren Firmen. Nach Ablauf der Warnstreiks am Freitag werde der Vorstand der IG Metall am Wochenende zusammenkommen, um den Erfolg der Aktionen auszuwerten. Geiken appellierte indirekt an die Arbeitgeberseite, die Warnstreiks der kommenden Tage zu nutzen, um ein Angebot vorzulegen, über das dann ernsthaft verhandelt werden könnte. Geiken: „Denn wir haben als Gewerkschaft in diesem Moment die Verhandlungen ja nur unterbrochen.“ Sollte die Arbeitgeberseite nach Einschätzung der Gewerkschaft diese Besinnungspause jedoch inhaltslos verstreichen lassen, werde alles auf einen Flächenstreik hinauslaufen. „Die Vorbereitungen für Urabstimmungen laufen jedenfalls bereits.“
In der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie sind insgesamt 140.000 Mitarbeiter tätig. EHA
