Rätselraten um Nachfolger für Horch-Posten

Kennen sich gut (v. l.): Frank Horch und Rüdiger Grube am 11. Juli 2014, Foto: Arndt
Er bleibe im Amt, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden sei, lautete das Versprechen von Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos), das er in dem Moment gab, als er seine besonderen Gründe für den Rücktritt von seinem Senatorenposten darlegte.
Inzwischen wird das Tableau mit möglichen Nachfolgern jedoch intensiv bestückt. Zu den neuen Namen, die derzeit gehandelt werden, gehören auch der ehemalige Deutsche-Bahn-Vorstandsvorsitzende Dr. Rüdiger Grube (Jahrgang 1951) sowie der langjährige, ehemalige Vorsitzende des Industrieverbandes Hamburg (IVH), Michael Westhagemann (Jahrgang 1957).
Bereits unmittelbar nach der Rücktrittsverkündigung im Rahmen eines denkwürdigen, nur wenige Minuten währenden Verlautbarungs-Auftritts gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD) galten der ehemalige Wirtschafts- und Verkehrsminister Schleswig-Holsteins, Reinhard Meyer (Jahrgang 1959), sowie der ehemalige SPD-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (Jahrgang 1968) als potenzielle Nachfolger.
Während die beiden Letztgenannten SPD-Parteibuchinhaber sind, gilt für West hagemann und Grube die einfache Aussage: parteilos. In der längeren Namensliste der ehemaligen Hamburger Wirtschafts- und Verkehrssenatoren gehörten seit 1990 von acht Amtsträgern – einschließlich des aktuellen Amtsinhabers – offiziell drei einer Partei an. Wobei für sie das galt, was Frank Horch stets mit einem Satz wie diesem umschrieb: „Auch wenn ich keiner Partei angehöre, habe ich natürlich eine politische Meinung zu den verschiedenen tagesaktuellen Themen.“
Was die beiden im potenziellen „inner circle“ verankerten Vertreter mit langjährigem Wirtschaftshintergrund betrifft, zu deren Arbeitsleben-Biografie verschiedene Top-Positionen gehörten, gilt vereinfacht das: Beide „konnten“ sehr gut mit Senator Frank Horch.
Der Westfale Westhagemann, aufgewachsen in Beckum, war lange Zeit im Siemens-Konzern in Hamburg vertreten. Das Nordlicht Rüdiger Grube wuchs sogar im Süden Hamburgs, in der Ortschaft Moorburg, auf.
Reinhard Meyer übernahm nach der Abwahl von Rot-Grün in Kiel im Frühjahr 2017 die Leitung der Senatskanzlei der SPD-CDU-geführten Landesregierung in Schwerin. Der Sozialdemokrat war in seiner Zeit als Fachminister im „echten Norden“ (Werbeslogan der Landesregierung) ein wichtiger Gesprächspartner für Frank Horch. Auch die beiden Politiker „konnten“ miteinander und entschärften zum Beispiel den Konflikt um die Windmesse-Ansprüche der Hamburg Messe mit Husum. Zudem fanden die beiden einen Ausweg aus dem in Kiel verhängten Hafenschlickverklappungsverbot bei der Tonne E 3 in der Nordsee. Meyer unterstützte zudem intensiv die Elbvertiefungspläne Hamburgs durch Wort und Tat.
Last but not least Garrelt Duin. Ein Politiker, der in der akitven Amtszeits Horchs die mit klarem Abstand geringsten gemeinsamen Schnittmengen aufzuweisen hat.
Auch wenn derzeit noch nicht absehbar ist, wann Frank Horch sein Amt physisch niederlegen wird, auch das steht fest: Sein Haus ist bestellt. Die beiden Staatsräte, Torsten Sevecke (SPD), seit April im Amt, sowie Andreas Rieckhof, bleiben weiter auf ihren Posten und stellen damit Kontinuität in der Sacharbeit sicher.
Keine Frage: Wer auch immer neuer Wirtschaftssenator wird. Das Aufgabenpaket, das schon jetzt geschnürt ist, hat es in sich. Allein im Teilarbeitsgebiet „Hafen und Verkehrswege“ warten große Zukunftsvorhaben auf die entsprechenden Weichenstellungen. Beispielhaft genannt seien der Bau einer neuen Köhlbrandquerung bis 2030, der Bau der A 26 bis zur A 1 („Hafenpassage Ost“) oder die Neugestaltung des mittleren Hafenbereichs. Allein dazu hat sich bei verschiedenen Interessengruppen schon jetzt einiges an Unmut aufgestaut. EHA
