Reeder beim Klimaschutz in der Bringschuld

Von der SMM 2018 sollen wichtige Impulse für eine sichere, umweltgerechtere und rentable Schifffahrt ausgehen. Das war der Tenor auf der formellen Eröffnung der Schiffbau-Weltleitmesse am Montagabend im Hamburger Rathaus im Beisein von rund 600 geladenen Gästen.

Den besonderen Stellenwert der im Zweijahres-Rhythmus laufenden Großveranstaltung unterstrich die Anwesenheit von Kitack Lim, Generalsekretär der Weltschifffahrts-Organisation IMO. Der erklärte am Dienstag im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz, dass er sich sehr auf den Besuch der SMM gefreut habe.

Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher wiederum betonte in seiner Rede im Großen Festsaal des Rathauses, dass die Weltleitmesse für den Schiffbau durch den Besuch des höchsten Repräsentanten der IMO so etwas wie einen Ritterschlag erfahren habe.

In seiner knapp 15-minütigen Rede, die Lim mit dem Satz „Ich erkläre die SMM 2018 für eröffnet“ schloss, ging der Südkoreaner auf eine Reihe von Kernprojekten in der UN-Organisation ein. Dazu gehört für ihn vor allem das Thema Umwelt- und Klimaschutz. Er erinnerte an die besondere Verpflichtung der Weltschifffahrtsindustrie, einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das sei eine Aufgabe, die noch viele Jahre in Anspruch nehmen werde.

Ein wichtiger Anfang sei gemacht. Beispielhaft dafür sei die 2018 beschlossene Klimaschutzverpflichtung der Schifffahrtsindustrie, wonach die Emissionen bis 2050 halbiert werden sollen. Ein weiterer Meilenstein sei zudem die verbindliche Einführung von schwefelarmem Bunkertreibstoff zum 1. Januar 2020 weltweit Lim: „Das sind nach meiner Überzeugung zwei ganz herausragende Meilensteine.“

Ausdrücklich lobte der IMO-Generalsekretär den Beitrag Deutschlands am Zustandekommen weltweiter, verschärfter Umweltschutzstandards bei Antrieben und Kraftstoffen. Zum weiteren, mittel- und langfristig wirkenden Klimaschutzprogramm der Schifffahrt gehört für Lim der forcierte Einsatz von alternativen Treibstoffen auf Seeschiffen, darunter auch LNG.

Der Schutz der Meere und des Klimas sei aus IMO-Sicht eine der großen Aufgaben für die gesamte Menschheit, aber auch eine Kernaufgabe seiner Organisation, die inzwischen auf ein 70-jähriges Wirken zurückblicke, meinte der Südkoreaner. Dabei gehe es insbesondere um die Vermeidung und Beseitigung der inzwischen gigantischen Mengen an Plastikmüll.

Ein weiteres Zukunftsthema ist für den IMO-Chef die autonome Schifffahrt. Was Ingenieure und auch Reederkreise im ersten Moment begeistert, müsse nach seiner Überzeugung sehr gut durchdacht sein. Für ihn spielt dabei die Systemsicherheit eine entscheidende Rolle, die auch über die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Technologie entscheide.

Es wäre fatal, wenn solche Plattformen durch gezielte Hacker-Attacken von Land aus auf See gekapert und für kriminelle Machenschaften missbraucht würden. Lim: „Wenn es schon jetzt gelingt, komplexe Infrastrukturen an Land gezielt zu hacken, dann wird das auch bei autonomen Schiffen der Fall sein.“ Neben der rein technischen Sicherheit bedürfe es auch eines klaren Rechtsrahmens, der zum Beispiel Haftungsfragen bei Unfällen mit autonomen Schiffen regle. Auch das betrachtet er als eine der Kernaufgaben der IMO in den kommenden Jahren.

Bürgermeister Tschentscher als offizieller Gastgeber des Senatsempfangs mit ausschließlich geladenen Gästen freute sich über den nunmehr seit Jahrzehnten währenden Erfolg der SMM. Die hohe Akzeptanz des der Fachmesse zugrunde liegenden Konzepts und des Austragungsorts Hamburg sieht Tschentscher als große Ehre für die Hanse- und Hafenstadt. Der Hafen stehe als „Symbol für Tradition und Modernität zugleich“. Seit Jahrhunderten sei der Hafen „das Herz der Stadt und seiner Wirtschaft“. So betonte er auch, dass seit dem 21. August das Baurecht für die Umsetzung der Elbvertiefung vorliege. Das sei eine gute Nachricht für den Hafen und die Stadt. Nach Abschluss der Arbeiten werde Hamburg auch für größere Frachter besser erreichbar sein.

Tschentscher betonte zugleich die Wichtigkeit des Umweltschutzes im maritimen Sektor. Hamburg setze auf Landstrom und den vermehrten Einsatz von saubereren Kraftstoffen für die Schifffahrt, etwa LNG. Reeder, die sich für saubere Antriebslösungen entscheiden, belohne die Stadt über das Hafengeld mit entsprechenden Öko-Nachlässen.

Die Stadt wolle zudem die maritime Forschung voranbringen. Mit Einrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut habe man bereits großes Potenzial, das ausgebaut werden solle. Dazu gehöre auch das Experimentieren mit autonomen Plattformen. Er freue sich, dass die diesjährige SMM auch dem Zukunftsthema Autonome Schifffahrt einen breiten Raum biete.

Dr. Ulrich Nußbaum, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sieht in der forcierten Nutzung von Flüssigerdgas in der Schifffahrt einen wichtigen Beitrag, um in einem ersten Schritt einen wirksamen Beitrag zur Emissionssenkung dieses Verkehrsträgers zu erzielen. Den alternativen Treibstoff werde Deutschland und auch andere EU-Länder in Zukunft vermehrt aus den USA importieren. Damit werde zudem das Defizit im bilateralen Handelsaustausch der USA mit der EU ebenfalls gesenkt. Damit sich LNG in Deutschland noch intensiver durchsetzt, werde der Bund gemeinsam mit den Ländern darauf hinwirken, dass es in den deutschen Häfen zu einheitlichen LNG-Nutzungsvorschriften kommt.

Bernd Aufderheide, Hamburg Messe-Vorstandschef, vollzog dann am Dienstag gemeinsam mit IMO-Generalserkretär Lim, Staatssekretär Nussbaum und Esben Poulsson, Generalsekretär der ICS, den symbolischen Bandschnitt vor dem gewaltigen Schiffspropeller aus der Fertigung der Mecklenburger Metallguss. Damit ist die 28. SMM auch im Wortsinne eröffnet. EHA

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