„Reefer“-Boxen als Kokain-Verstecke

Tatort Deurganckdok: Hier befindet sich das Container-Zentrum im Antwerpener Hafen. Von hier aus erfolgt die Weiterverteilung von Kokain, Foto: Hafenbetrieb Antwerpen

Griffbereit: Hamburger Zollbeamte bei der Präsentation des spektakulären Kokainfundes vom Sommer 2017. Die „heiße Ware“ wird in Sporttaschen verstaut, die schnell aus dem Container entnommen werden können, Foto: Arndt
Die führenden europäischen Seehäfen werden offenkundig immer massiver von internationalen Drogenkartellen als Logistikdrehscheiben für Kokain & Co. missbraucht.
Nach THB-Informationen richtet sich der Fokus dieser kriminellen Organisationen dabei derzeit offenbar auf Antwerpen. Konkret: In Südamerika beladene Reefer-Container werden inzwischen bevorzugt mit Kokain bestückt, weil dieser Boxentyp gute Versteckmöglichkeiten bietet. Unmittelbar nach dem Eintreffen der Boxen im Löschhafen läuft dann eine präzise arbeitende „Entsorgungskette“: Die Container werden gezielt auf den Terminals so positioniert, dass die illegale Fracht, dafür bereits in Sporttaschen vorverpackt, schnell aus den Containern herausgenommen und dann durch Terminalmitarbeiter „über den Zaun geworfen werden kann“, so ein Hafeninsider zum THB.
Die international operierenden Banden sprechen dabei vorab gezielt Mitarbeiter der Terminals an und bieten ihnen viel Geld für eine klar definierte „Dienstleistung“: Die Rede ist von mehreren 10.000 Euro, „cash auf die Hand“. Einmal den Terminal verlassen habend, werden die Drogen dann direkt und blitzschnell über ein entsprechendes Netzwerk weiterverteilt. Wie der THB weiter erfuhr, wird in Antwerpen für 2019 mit einer Rekordmenge an Kokain gerechnet.
Am Montagmorgen kam es im Hafen im Bereich des Deurganckdok zu einer konzertierten Aktion der belgischen Sicherheitsbehörden. Im Zuge dieser mehrstündigen Aktion kam es zu verschiedenen Festnahmen. Parallel dazu erfolgten durch weitere Spezialkräfte etwa 20 Hausdurchsuchungen.
Parallelen zum Drogenfund in Hamburg 2017
Auch im Hamburger Hafen schlugen Polizei und Zoll im April dieses Jahres in Sachen Kokain zu. Wie berichtet, hatten Zollbeamte auf einem Containerfrachter 440 Kilogramm dieser Droge entdeckt. Das in 17 Reisetaschen verpackte Rauschgift war bereits kurz zuvor bei der Kontrolle eines mit Reissäcken beladenen Containers gefunden worden.
Rückblick: Ende Juli 2017 wurde in einer Bundeswehrkaserne in Hamburg der größte zu dem Zeitpunkt jemals in Deutschland gemachte Kokainfund der Öffentlichkeit präsentiert: rund 3,8 Tonnen hochreine Drogen. Der „Stoff“ selbst stammte aus einem Zugriff im Hamburger Hafen vom 24. März 2017. Dabei ging es um drei Seecontainer aus Paraguay, die zusammen mit 1,4 Tonnen Kokain beladen waren. In einem zweiten Zoll- Zugriff vom 18. April 2017 ging es um weitere 1,6 Tonnen Drogen. Sie waren in fünf Containern versteckt worden. Am 8. Mai 2017 schlug der Hamburger Zoll nochmals zu. Ergebnis: 788 Kilogramm Kokain.
Die auch damals in Hamburg genutzte Schmuggelvariante bezeichnet der Zoll als sogenanntes „Rip-off-Verfahren“. Der Ablauf: Das Kokain wird in Südamerika in handliche, mehrfarbige Pakete geformt und in große Sporttaschen verpackt. Im Abgangs- beziehungsweise Umladehafen werden diese Taschen hinter den Türen statt in der Ladung eines Seecontainers versteckt. Im Zielhafen können die Empfänger die Taschen dann aus den Containern entnehmen und aus dem Hafengebiet schmuggeln. Über die weiteren Details der Aktion im Hafen von Antwerpen wollen die belgischen Sicherheitsbehörden kurzfristig informieren. EHA/PSA
