Russland sichert Energieversorgung in Arktis
Ein schwimmendes Atomkraftwerk zur Erzeugung von Wärme und Strom in arktischen Zonen: Russland schafft dazu die Fakten.
In St. Petersburg ging jetzt der gewaltige, weitgehend vorausgerüstete Stahlkasko mit Schlepper-Assistenz auf eine mehrwöchige Reise nach Murmansk. Die „Akademik Lomonossow“ wird in diesem Hafen, der auch der Hauptstützpunkt der mit mehreren nuklear betriebenen Einheiten der russischen Nordmeerflotte ist, den Nuklearbrennstoff für die beiden an Bord installierten Atomreaktoren erhalten. Das kündigte Pawel Ipatow vom Kraftwerksbetreiber Rosenergoatom im Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur Tass an. Ipatow sprach von einem „historischen Ereignis“. Die „Akademik Lomonossow“ hat für Russland strategische Bedeutung.
Sie soll nach heutiger Planung ab Sommer 2019 von Murmansk aus in das Arktische Meer fahren und dort russische Außenposten mit Strom und Wärme versorgen sowie Meerwasser entsalzen. Das Kraftwerk kann 200.000 Menschen mit Strom versorgen. Bestimmungshafen ist Pewek in Sibirien.
Der Name des Schiffes ist vom russischen Dichter und Naturwissenschaftler Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711 – 1765) abgeleitet.
Das von Marktbeobachtern auf einen Wert von umgerechnet rund 267 Millionen Euro taxierte „Projekt 20870“ liegt indes Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. 2007 erfolgte die Kiellegung. 2010 lief die rund 144 Meter lange und gut 30 Meter breite Plattform vom Stapel. Das Energieerzeugungs-Vorhaben ist eingebettet in die Strategie Russlands, die gewaltigen Rohstoff- und Energievorkommen in der Arktis zu erschließen. Ebenfalls darin eingebettet sind die neuen Perspektiven im Zusammenhang mit dem „Nördlichen Seeweg“. Daher stärkt Moskau auch seine Präsenz in der Region zunehmend militärisch. Auch die USA und andere Anrainerstaaten haben Interesse an der Arktis angemeldet.
Deutliche Kritik am Atom-Vorhaben kommt von Umweltschützern. Für sie ist das Projekt „riskant“.
In Erinnerung an die Tschernobyl-Atomkatastrophe warnte Greenpeace jetzt vor der Gefahr eines „Tschernobyl auf Eis“. EHA/dpa
