Saubere Leistung fürs Wattenmeer

Für den Einsatz im besonders umweltsensiblen Wattenmeer optimal motorisiert: die neue „Willem Barentsz“, Foto: Rolls-Royce Power Systems
Die niederländische Reederei Doeksen und der Motorenhersteller Rolls-Royce Power Systems mit Sitz in Friedrichshafen/Bodensee setzen ein starkes Zeichen für den Umweltschutz.
Das mittelständische, inhabergeführte Schifffahrtsunternehmen übernahm am 1. Juli an seinem Stammsitz in Harlingen die erste von zwei neuen RoPax-Fähren offiziell in Betrieb. Die unter niederländischer Flagge fahrende „Willem Barentsz“ (IMO 9807578) ist mit einem besonders sauberen Antrieb ausgerüstet, betonen die beiden Partner.
Damit trägt die Reederei den hohen Schutzanforderungen für den Schiffsbetrieb im umweltsensiblen Wattenmeer-Gebiet Rechnung. Der Neubau ist rund 70 Meter lang und 17 Meter breit. Er ist mit 3744 BRZ vermessen und hat eine Tragfähigkeit von 150 tdw.
Der Antriebsbereich wird entscheidend geprägt durch die beiden 16-Zylinder-MTU-Gasmotoren der Baureihe 4000 mit jeweils 1492 Kilowatt Leistung. Die Motoren treiben Azimuth-Festpropeller an, die die Schiffe damit auf eine Geschwindigkeit von 14 Knoten bringen.
Der MTU-Gasmotor unterschreitet nach Unternehmensdarstellung die Grenzwerte aktueller Emissionsrichtlinien (IMO III) bereits ohne Abgasnachbehandlung erheblich. „Die Partikelmasse zum Beispiel liegt unter der Nachweisgrenze. Er stößt keine Schwefeloxide aus und nur geringe Mengen an Stickoxiden“, berichtet Knut Müller, Leiter des Marine- und Behördengeschäfts bei Rolls-Royce Power Systems.
Rolls-Royce hatte seine neuen MTU-Gasmotoren für Schiffsantriebe erstmals im September 2016 vorgestellt und die Vorserienmotoren für die beiden Katamarane der Reederei Doeksen bereits Ende 2017 an die Werft Strategic Marine in Vietnam ausgeliefert.
„Rolls-Royce hat den ersten Single-Fuel-Gasmotor entwickelt, der einen Festpropeller direkt antreiben kann und damit ein dynamisches Beschleunigungsvermögen hat. Das war ein wesentliches Argument, das uns überzeugte“, sagt Paul Melles, Geschäftsführer der Reederei Doeksen.
Die 1908 gegründete Reederei betreibt von Harlingen aus Fährverbindungen zu den westfriesischen Inseln Terschelling und Vlieland. Außer der „Willem Barentsz“ ergänzt das Schwesterschiff „Willem de Vlamingh“ (IMO 9807580) ab September die Flotte von dann insgesamt acht Einheiten.
Die beiden Neuzugänge können jeweils bis zu 600 Passagiere und 64 Pkw an Bord nehmen. Der neue MTU-Gasmotor ist nach Herstellerdarstellung besonders geeignet für den Einbau auf Fähren, Schubbooten, Schleppern und Spezialschiffen wie etwa Forschungsfahrzeugen. EHA
