Schwimmend am Grenzstau vorbei

Ein Frachter im Dauereinsatz: Die „Rix Amethyst“ verzeichnete im März eine gute Auslastung, Foto: Hasenpusch
In Dänemark gibt es nur kurze Wartezeiten, in Polen bilden sich indes lange Staus: Die wegen der Corona-Krise eingeführten Grenzkontrollen wirbeln den Lkw-Güterverkehr erheblich durcheinander. Der maritime Schiffsnahverkehr auf der Ostsee wird daher zu einer noch wichtigeren Alternative für den reibungslosen Warentransport.
Die „Rix Amethyst“ zum Beispiel erfreute sich in den vergangenen Tagen und Wochen einer guten Auslastung. Im März brachte der Stückgutfrachter Güter von Kolding über Rönne und Bandholm bis nach Heiligenhafen. Von dort fuhr das Schiff weiter nach Rostock. Die Liegezeiten vor Ort betrugen stets nur wenige Stunden.
Mit einem speziellen Zweikammerfrachtraum transportiert die „Rix Amethyst“ (IMO 9173185) vor allem Getreide, aber auch anderes Stückgut wie Baustoffe oder Holz. Das 1999 unter dem Taufnamen „Hansa Lübeck“ von der niederländischen Werft Peters Kampen gelieferte 2056-BRZ-Schiff gehörte ab 2007 zur Flotte der Leeraner Reederei Fehn Ship Management und wurde 2013 an die lettische Reederei Rix Shipping Management weiterverkauft. Seitdem fährt der 89 Meter lange Singledecker unter der Flagge Zyperns. Der Heimathafen ist Limasol. Angetrieben wird der Frachter mit einem 1320 Kilowatt leistenden Wärtsilä-Motor. Der Tiefgang des Schiffes wird mit 2,70 Meter angegeben.
Befrachtet wird die Rix-Flotte von der Baltic Shipping Company (BSC) aus dem dänischen Hundested. Der Makler für klassische Küstenmotorschiffe steuert überwiegend den Transport von Schüttgütern und Projektladung zwischen den nordeuropäischen Häfen.
Damit setzt das Unternehmen auf einen enorm handelsintensiven Raum der maritimen Wirtschaft. Allein im Jahr 2017 betrug nach Angaben des Forschungsinformationssystems Mobilität und Verkehr (FIS) der Anteil aller Anrainerstaaten am Weltaufkommen der Exporte 19,9 Prozent und der Importe 15,07 Prozent. Insgesamt wurde dieser Beitrag durch eine Bevölkerung von rund 300 Millionen Personen erwirtschaftet – was nur 3,9 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Weiteres Wachstum wird von den Experten in Zukunft nicht ausgeschlossen.
Ungeachtet der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Krise wird die „Rix Amethyst“ insofern in den nächsten Wochen auf genügend weitere Fahrten entlang der Ostseeküste gehen. Einen Zwangsstopp musste sie ohnehin in ihrer bisherigen Geschichte nur einmal einlegen: Im November 2013 lief bei der Betankung am Niedersachsenkai in Brake der Tank über und 300 Liter Dieselöl liefen übers Deck ins dortige Hafenbecken. Erst nachdem das Technische Hilfswerk (THW) eine groß angelegte Reinigungsaktion beendet hatte, konnte das Schiff wieder auslaufen. jki