VDKS im maritimen Wandel

Verbandstag in Hamburg: Kapitän Wilhelm Mertens (Geschäftsführer VDKS), Gastredner Gerald Rynkowski (Geschäftsführer Veinland), Kapitän Christoph Wand (Präsident VDKS), Kapitän Willi Wittig (Vizepräsident VDKS), Foto: Jens Meyer
Mit einer breiten Palette aktueller Herausforderungen konfrontiert sieht sich der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS), der in diesem Jahr auf sein 125-jähriges Bestehen zurückblicken kann.
Das wurde auf dem diesjährigen Verbandstag deutlich, der jetzt in den Räumen des Adolph-Woermann-Hauses der Stiftung „Seefahrtsdank“ in Hamburg stattgefunden hat. Dabei war auch die jüngste Entwicklung in der Straße von Hormus mit der zunehmenden Gefährdung von Seeleuten ein Thema, das der Verband mit großer Sorge zur Kenntnis nimmt und an alle Verantwortlichen appelliert, die Sicherheit der Seeleute zu gewährleisten.
Zu den weiteren Schwerpunkten des Verbandstages zählte die Sicherung des maritimen Know-hows in Deutschland. Schließlich gehörten die Ausbildung und Beschäftigung der deutschen Seeleute sowie die Vertretung der Interessen der Kapitäne und Schiffsoffiziere gegenüber der Politik und der maritimen Wirtschaft zu den Prioritäten der Organisation. So konnte sich der VDKS, der sich als einer der Stifter bei der Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland engagiert, von deren Tätigkeit im vergangenen Jahr berichten: Die Anzahl der zu fördernden Personen blieb nahezu konstant.
Auch im Deutschen Maritimen Zentrum vertritt der VDKS die Interessen des fahrenden Personals beziehungsweise der Schiffsführungen. In der Diskussion um die Frage, ob Lascharbeiten ausschließlich von Hafenarbeitern oder auch von Seeleuten übernommen werden sollen, hat der Verband eine klare Position: Forderungen, wie sie insbesondere von der Gewerkschaft Verdi erhoben werden, wonach Lascharbeiten auf allen Schiffen ausschließlich von Hafenarbeitern durchzuführen seien, weist der Verband als „überzogen, realitätsfern und gesetzeswidrig“ zurück. Regelungen in der International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLAS) und dem für die praktische Arbeit relevanten CSS-Code seien eindeutig und verweisen darauf, dass für das ordnungsgemäße Laschen der Ladung der Kapitän oder die Schiffsführung die alleinige Verantwortung tragen, so der VDKS.
Auf der Tagung kamen auch die Themen der Automatisierung in der Schifffahrt und das autonome Schiff zur Sprache. Einvernehmen bestand darüber, dass bei fortschreitender Automatisierung auch in Zukunft eine – wenn auch reduzierte – Besatzung mit hoher Qualifikation, also Kapitäne und Schiffsoffiziere, an Bord benötigt wird. Das viel diskutierte autonome Schiff werde es mit wenigen Ausnahmen in absehbarer Zeit nicht in größerem Umfang geben, so der VDKS.
In der anschließenden Diskussion, bei der weitere praxisnahe Erfahrungen vermittelt werden konnten, wurde zudem deutlich, dass das maritime Know-how – und damit Kapitäne und Schiffsoffiziere – künftig verstärkt auch an Land benötigt werden, etwa in Überwachungszentren. „Der Beruf des Kapitäns beziehungsweise der nautischen und technischen Schiffsoffiziere ist nach wie vor interessant und sehr anspruchsvoll und hat damit auch weiterhin eine große Zukunft“, betonte VDKS-Geschäftsführer Kapitän Wilhelm Mertens.
Das 125-jährige Bestehen will der Verband mit seinen Mitgliedern und Repräsentanten aus Politik und maritimer Wirtschaft an Bord des fast gleichalten Museums-Windjammers „Rickmer Rickmers“ an den Landungsbrücken im Hamburger Hafen gebührend begehen. JEME/ger