Zukunft gehört Erdgas und E-Antrieben

Bremer Botschafter (v.l.): Günthner, Ørbeck-Nilssen und Vinnen , Foto: Arndt

Konzentriert verfolgten die rund 100 Gäste des Bremer Reederabends die Ausführungen der verschiedenen Gastredner der Traditionsveranstaltung, Foto: Arndt

„Erdgas und E-Antriebe werden in der Schifffahrt künftig eine größere Rolle spielen.“ Knut Ørbeck-Nilssen, CEO Maritime, DNV GL, Foto: Arndt
Die globale Schifffahrt steht mittel- bis langfristig vor umfangreichen Veränderungen auch bei der Antriebstechnologie: Erdgas, aber auch E-Antriebe werden in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen.
Davon geht Knut Ørbeck-Nilssen, CEO Maritime und Member of the Execuitve Board bei der deutsch-norwegischen Klassifikationsgesellschaft DNV GL, aus. Ein entscheidender Treiber dieser Entwicklung sei dabei auch die Forderung der internationalen Staatengemeinschaft nach einem messbareren Beitrag der Schifffahrt zum globalen Klimaschutz. Ørbeck-Nilssen war am Mittwochabend Hauptredner auf der traditionellen Festveranstaltung des Bremer Rhedervereins. Michael Vinnen, Vorsitzer des Branchenverbandes, freute sich über rund 100 Gäste aus Bremen und anderen Teilen Norddeutschlands.
Für den Bremer Senat richtete Häfen- und Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) ein Grußwort an die Experten aus der maritimen Wirtschaft. Dabei freute sich Günthner auch über das erfolgreiche Werben des kleinsten Bundeslandes um die Ausrichtung der international hoch taxierten Fachmesse „Breakbulk Europe“. Sie werde vom 29. Mai bis zum 31. Mai erstmals in Bremen ausgerichtet und unterstreiche damit auch die hohe Logistik-Kompetenz des Zwei-Häfen-Stadtstaates. Schon jetzt stehe zudem fest, dass die wichtige Leitmesse auch im kommenden Jahr wieder an der Weser ausgerichtet werde.
Erfreut zeigte sich Günthner auch darüber, dass die Bremischen Häfen nicht nur im Cargo-Segment erfolgreich seien, sondern ebenfalls in der Wachstumsindustrie Kreuzfahrten. Bremerhaven erlebe hier einen bemerkenswerten Zuspruch als Cruise-Standort, was in dieser Form nur wenige erwartet hätten. Günthner: „Wir werden in der laufenden Saison weit über 200.000 Passagiere in Bremerhaven abfertigen.“ Zur Einordnung: Über Jahre kam Bremerhaven nicht über 60.000 Seereisende hinaus. Es sei daher naheliegend, in den Ausbau der Cruise-Abfertigungseinrichtungen in der Seestadt zu investieren.
Den Bremer Reedern attestierte Günthner nicht nur ein bemerkenswertes Stehvermögen beim Abwettern der langjährigen, internationalen Schifffahrtskrise, sondern auch eine vorbildliche Anpassungsfähigkeit und Innovationsfreudigkeit. Eine Reihe von zunächst kleineren Firmen habe sich inzwischen erfolgreich etablieren und interessante Nischenmärkte besetzen können.
Ein besonderes Lob zollte Günthner jenen Reedern, die ihrer Ausbildungsverpflichtung in besonderer Weise nachkämen, etwa indem sie Bordpraktika für den Offiziersnachwuchs bereitstellten. Den Bremer Reedern sicherte er auch in Zukunft die Unterstützung des Senats zu.
Verbandschef Vinnen macht für internationale Reedereiverkehrswirtschaft so etwas wie eine Trendwende zum Positiven aus, was er mit verschiedenen Beispielen abstützte. So gebe es derzeit in der weltweiten Containerschifffahrt „praktisch keine Aufliegertonnage“ mehr. Höhere Transportnachfrage, eine umfangreiche Verschrottung von Alttonnage sowie geringere Neubestellungen der Reeder zeigten hier eine positive Wirkung.
Auf der anderen Seite bekam gerade die deutsche Reedereibranche die Krise der vergangenen Jahre mit einer besonderen Wucht zu spüren. Zwischen Ende 2012 und heute schrumpfte die deutsche Flotte um rund 1000 Einheiten auf aktuell noch gut 2600 Frachter.
Auch Vinnen geht davon aus, dass das Thema Umweltschutz die Reeder in den kommenden Jahren umfassend fordern werde. Das biete auch große Chancen. Denn schon jetzt seien besonders wirtschaftlich zu betreibende Frachtschiffe in den Chartermärkten sehr gefragt. Vinnen: „Verbrauchsoptimierte Schiffe erzielen derzeit deutlich höhere Charterraten.“
DNV GL-Topmann Ørbeck-Nilssen sieht auch die Klassifikationsgesellschaften beim Thema „maritimer Umweltschutz“ in den kommenden Jahren stark gefordert, so dass sie als Partner für die Reeder noch bedeutender würden. Ørbeck-Nilssen: „Das internationale Regelwerk wird immer komplexer.“ Ausdrücklich lobte der gebürtige Norweger, der zugleich Chairman der International Association of Classification Societies (IACS) ist, die verbindlichen Festlegungen der Weltschifffahrtsorganisation beim maritimen Umweltschutz. Damit sei ein für die Industrie schädlicher „Flickenteppich“ an regional begrenzten Auflagen vermieden worden. Den Einsatz von autonom betriebenen Schiffen über das Teststadium hinaus erwartet der DNV GL-Fachmann um 2030. Allerdings werde es sich dabei vor allem um „Nischenmärkte“ handeln. Ørbeck-Nilssen: „Es könnte eine interessante Möglichkeit für den Kurzstreckenseeverkehr sein, das heißt ein Frachtereinsatz unter Einbeziehung von zwei bis drei Häfen.“ EHA
