Als Boxer-Dino hochgeschätzt

Im Zuge der jüngsten Schifffahrtskrise musste die Branche unter anderem diese Erfahrung machen: Auch ein knapp zehn Jahres altes Containerschiff kann bereits ein Fall für den Schneidbrenner sein.

Kein Einzelfall, sondern durchaus zahlreich. Vor diesem Hintergrund erstaunt und beeindruckt es umso mehr, wenn es Boxcarrier gibt, die auch nach rund 37 Jahren immer noch in Fahrt sind. Dieser Tage erreichte die THB-Redaktion ein konkreter Hinweis, ergänzt um ein aktuelles Foto, von einem solchen Boxer-Dino namens „MSC Malin“ (IMO 8201636), Baujahr 1982. Zugleich ist es ein Schiff, hinter dem, wie so oft in solchen Fällen, angesichts einer solch langen Einsatzzeit eine durchaus interessante Lebensgeschichte steht.

Die „MSC Malin“, in Charter fahrend für die weltweite Nummer zwei unter den Containerreedereien, MSC, wurde vor 37 Jahren unter dem Namen „Kapitan Kanevskiy“ in Dienst gestellt. Als das der Fall war, gab es noch eine Sowjetunion, eine Deutsche Demokratische Republik (DDR) und eine stark im Aufbau befindliche Weltcontainerschiffsflotte. Der Frachter war Teil eines Gesamtpaketes von insgesamt zehn baugleichen Handelsschiffen, die im Zuge ihrer Indienststellung die größten Container-Carrier der Flotte der damaligen UdSSR darstellten. Aus heutiger Sicht ist eine Stellplatzkapazität von damals zunächst 1084 TEU, in den späteren Jahren aufgestockt auf 1254 Standardbehältnisse zwar nicht weiter der Rede wert. Doch diese Zahl bekommt spätestens dann einen anderen Stellenwert, wenn man sich daran erinnert, dass die nur wenige Monate zuvor – im Sommer 1981 – durch die (west-)deutsche Hapag-Lloyd-Reederei in Dienst gestellte „Frankfurt Express“ (I) auf 3045 TEU (später 3420 TEU) kam. Was diesen Frachter wiederum damals zum größten Containerschiff der Welt machte. Kleine Randnotiz: Die „FAX“, wie das Schiff seinerzeit reedereiintern auch genannt wurde, endete bereits 2009, mitten in der Schifffahrtskrise, zur Verschrottung an Gadani Beach in Indien.

Zurück zur heutigen „Malin“. Sie darf durchaus als ein Qualitätsprodukt des Schiffbaus in der ehemaligen DDR angesehen werden. Das Schiff vom Typ Mercur II entstand auf der ehemaligen Warnowwerft in Rostock-Warnemünde, die wiederum am 1. August 1948 gegründet wurde. Auf ihren Helgen entstanden in den Folgejahrzehnten bis zur Wende 1989/1990 mehrere Hundert Schiffe.

Von den einst neun weiteren Schwesterschiffen der rund 203 Meter langen, gut 25,40 breiten, 21.370 tdw tragenden, BV-klassifizierten und Panama-Flagge führenden „Malin“ sind heute noch zwei weitere Einheiten in Fahrt und stehen damit auch für ein erfolgreiches Kapitel für den hochwertigen Schiffbau in der ehemaligen DDR. EHA

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